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Meine Gebrauchsanweisung für Schottlandreisen(de)

TEIL 1 - Entfernungen, Etappen, Auto fahren

Schon sehr lange verfolge ich in Facebook-Gruppen Fragen, die Schottlandreisende stellen, um Ihre Reise vorzubereiten und sich zu informieren.

Am liebsten wäre mir natürlich, man würde mich direkt anfunken und eine Tour ausarbeiten lassen, denn dann werden gleich alle Fragen aus einer Hand beantwortet, und zwar schnell und kompetent. Das bedeutet nicht, dass Facebook-Kommentare nicht kompetent sind, aber sie sind aufgrund der Fülle und Verteilung auf mehrere Posts sicherlich oft nicht leicht zu finden.

Eilean Donan Castle - Die schottische Postkartenschönheit

Hier möchte ich nun versuchen, eine kleine Gebrauchsanweisung zu erstellen, die dem Schottland-Neuling einen guten Überblick über das Land verschafft, was ihn erwartet (aus der Sicht einer in Deutschland Lebenden - Also Vorsicht! Klischees lassen sich nicht vermeiden) und an was man denken muss.

Kleine Randbemerkung vorab: ICH GENDERE NICHT, also ist es DER Schottland-Neuling, und wenn sich eine Frau dann nicht angesprochen fühlt, dann schreibe sie bitte eine Gebrauchsanweisung für Frauen.

 

Zunächst einmal vergegenwärtigt Euch die Abmessungen des Landes. Vom äußersten Süden in den Lowlands bis ganz in den Norden bei Thurso sind es ungefähr 615 km. Dabei habe ich außer Acht gelassen, dass die noch nördlicher liegenden Orkney- und Shetland-Inseln auch zu Schottland gehören.

Googlemaps gibt für diese Entfernung 8 Stunden an, wofür man natürlich staufrei mit Anlauf durch die Manege preschen muss. Ein wenig wird hier berücksichtigt, dass man nördlich von Edinburgh keine Autobahnen mehr hat und langsamer voran kommt, aber sehr wahrscheinlich möchte niemand, der sich mit Muße durchs Land bewegen will, diese Strecke in einem durchfahren. Es ist nur ein Anhaltspunkt.

Zum schlichten Vergleich sei einmal genannt, wie weit es von Harrislee an der deutsch-dänsichen Grenze bis zur deutsch-österreichischen Grenze bei Kufstein ist, das sind etwa 1030 km. Gut, fast alles nur Autobahn, aber dennoch will ich es einmal zur Orientierung erwähnt haben, denn wie viele Menschen gibt es, die diese Strecke an einem Tag auf sich nehmen, um von Norden nach Süden in den Urlaub zu kommen (und umgekehrt, denn unsere Küste ist ja auch schön).

Die Entfernung vom schottischen Westen nach Osten, in etwa vom Westen der Isle of Skye bis auf die Höhe von Boddam bei Peterhead im Osten, beträgt ungefähr 365 km.

Reist man mit dem eigenen PKW per Nachtfähre an, landet man zumeist im englischen Newcastle-upon-Tyne und hat dann bis ganz in den Norden in etwa dieselbe Strecke wie oben genannt (615 km).

Eine alte Freundin (sie ist wirklich alt und unsere Freundschaft auch schon) hat sich mit ihrem Mann der Aufgabe verschrieben, nach jedem Frankreich-Urlaub genau Buch zu führen, wie lange sie von Newcastle bis in ihren Heimatort Freuchie im Kingdom of Fife, nördlich von Edinburgh, brauchen. Stolz vermeldete sie eine Rekordzeit von 2 Stunden und 57 Minuten. Dazu darf jedoch rund um Edinburgh kein Stau sein, und das ist meistens nicht der Fall. Gönnt Euch einfach mal den Spaß und verändert in Googlemaps Eure Startzeit auf 4 Uhr morgens, und zack! ist die Fahrzeit deutlich kürzer. Ihr seht schon, Uhrzeiten spielen eine wesentliche Rolle, aber das ist ja bei jedem Reiseziel so.

Uhrzeiten sollten im Urlaub eher eine untergeordnete Rolle spielen, damit man eben den alltäglichen Stress abwirft und in Ruhe genießen kann.

Viele Diskussionen betreffen bei der Reiseplanung, wie weit man wohl pro Tag fahren kann, bzw. wird oft etwas zu ängstlich gefragt, was man wohl überhaupt schaffen könnte.

Die Entfernungen sind hier aber kein Hexenwerk, an das man mit extremster Vorsicht herangehen muss.

Alles hängt von persönlichen Reisevorlieben ab. Der eine zieht viele Kilometer runter, und es genügt ihm, von allem einen kurzen Eindruck zu gewinnen, die andere empfindet 100 km pro Tag schon als übermässig weit und möchte diese 100 km so unterteilen, dass bei den Stopps unterwegs mehrere Stunden Aufenthalt möglich sind.

Mein Lieblingsbeispiel ist eine eigene Tour, bei der ich mit dem Leihwagen ab Edinburgh Airport nach Ankunft mittags noch 125 km bis Arbroath an der Ostküste gefahren bin. Eine in Schottland lebende Freundin schrie entsetzt auf, wie ich das denn nach dem Flug noch hätte schaffen können!? Ich bin nun nicht die größte Autofahrerin vor dem Herrn, aber 125 km, das ist doch nichts! Ich habe mir noch gemütlich einen Spaziergang entlang der Klippen gegönnt und mir in einem der wundervollen Farmshops im Kingdom of Fife eine kleine Schottische-Erdbeer-Probier-Pause gegönnt.

Für sie schien es eine kleine Weltreise zu sein. So unterschiedlich sind also die Denkweisen.

Was also machbar ist an Kilometern und Etappen ist abhängig davon, was man sich selbst zumuten möchte. Ich selbst möchte gern viel sehen, dabei aber auch nicht in Stress verfallen. Daher wähle ich Orte, in denen ich ein paar Tage länger bleibe, um mich nicht gehetzt zu fühlen und plane dafür an manchen Tagen mehr Kilometer ein. Wer sich nicht scheut, jede Nacht woanders zu schlafen, kann die Etappen auch kürzer wählen und überall nach Belieben "herumgammeln" (ein schöner Zustand, wie ich finde).

Für mich ist es z.B. uninteressant, mich an einem Tag nur 60-70 km fortzubewegen, denn für mich ist es nicht wichtig, an einer Küste z.B. 5 Stunden zu wandern. Mir genügen 1-2 Stunden, aber genau hier muss eben jeder für sich selbst entscheiden, wo die Prioritäten liegen.

Ich nehme etwa 200-250 km an einem Tag, wo ich von A nach B fahre (mal mehr, mal weniger) und rechne wie folgt: Da ich kein Frühaufsteher bin (aber auch keine FrühaufsteherIN - Spaß!!), würde ich gegen 10:00 h starten. Je nach Saisonzeit, ob es länger hell ist oder nicht, terminiere ich das Ende meiner Fahrt oder meines Ausfluges auf 18 Uhr. Somit habe ich ganze 8 Stunden Zeit, etwas zu unternehmen. Habe ich darin dann 200 km zurückzulegen, brauche ich dafür vielleicht 4 Stunden. Zu den Straßenverhältnissen komme ich noch. Heißt also, ich bewege mich mit einem Schnitt von 50 km/h fort. Dann bleiben mir unterwegs noch 4 Stunden, um etwas zu besichtigen. Die kann ich mir schön aufteilen wie ich mag. Ich kann mir unterwegs 4 Stellen aussuchen an denen ich mich jeweils eine Stunde aufhalte. Ist Dir das zu kurz, dann suche Dir 2 Stellen aus, an denen Du jeweils 2 Stunden bleibst. Da lässt sich wunderbar die Besichtigung einer Burg oder eines Gartens einbauen.

Und wer sagt mir eigentlich, dass ich um 18 h irgendwo angekommen sein muss? Das Bett läuft nicht weg, da genügt ein Anruf beim Hotelier, der mir dann erklärt, wie ich gegen Mitternacht noch per Leiter durch das Fenster in mein Zimmer komme :-).

Ich setze hier voraus, dass Du alle Unterkünfte vorab gebucht hast, damit Du nicht Stunden mit Sucherei verbringst, das wäre schade für die Tagesgestaltung, doch dazu mehr in einem weiteren Teil der Gebrauchsanweisung.

Dann bleibt man ja an einigen Orten mehrere Nächte, was ich immer empfehle, und schaut sich ganz in Ruhe die nähere Umgebung an oder fährt auch mal ein paar Kilometer raus, um Weiteres zu besichtigen. Je nachdem wo man sich hin platziert, kommen auch die Läufer auf ihre Kosten und können die Umgebung erwandern.

Was man dabei dann als "unbedingt sehenswert" erachtet, dazu auch in einem weiteren Teil der Gebrauchsanweisung mehr.

Gerade kürzlich las ich, dass jemand fragte, ob man vom Flughafen Glasgow aus, wenn man um 13 h ankommt, noch 200 km bis zum Loch Oich schaffen kann. Es kamen die unterschiedlichsten Kommentare dazu, weil ja eben jeder eine andere Sichtweise hat, was als anstrengend betrachtet wird und was nicht. Für mich wäre es das nicht. Das einzige, was es zu bedenken gilt ist, dass der Flug Verspätung haben und es am Mietwagenschalter lange dauern kann bis man endlich in seinem Vehikel sitzt und startet. Ob ich dann noch rechtzeitig zum Abendessen am Loch Oich im Hotel bin, war eine Frage, die für mich völlig irrelevant ist, denn wenn ich mich verspäte, dann kehre ich halt unterwegs ein oder kaufe mir Snacks und mache ein Picknick unterwegs. Es ist Urlaub, da ticken die Uhren doch völlig anders. Vieleicht mal ein bisschen schottisch, also entspannter als bei uns.

 

Nun könntest Du sagen, Du weißt aber überhaupt nicht, wie die Straßenverhältnisse sind, denn man hört ja immer von total schmalen Straßen, und dann muss ich auch noch links fahren und ungeheuerlich aufpassen, und überhaupt.....

Dazu möchte ich folgende Grafik aus http://a9road.info/ übernehmen (Achtung, Du wirst auf eine fremde Seite geleitet, für die ich keine Verantwortung übernehme). Sie zeigt sehr schön die Geschwindigkeitsbegrenzungen, an die man sich tunlichst halten sollte, denn Schottland ist extrem gut mit Speed Cameras überwacht, und ich selbst habe bereits 3 Knöllchen riskiert und es endlich gelernt.

Gehen wir mal davon aus, Ihr seid nicht mit einem LKW unterwegs. Dann gibt es dennoch zwei Zeichen auf der Tafel, die gewöhnungsbedürftig sind. Ich spreche von dem Kreis mit dem schwarzen Querbalken. Dieses Zeichen bedeutet zunächst ganz allgemein, dass hier die nationalen Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten, die natürlich in gewissen Abschnitten auch noch einmal reduziert werden können, das sieht man dann ja an der jeweiligen Zahl im Zeichen. Wieso aber habe ich da einmal 60 mph und einmal 70 mph? Zunächst einmal zur Erinnerung (es ist ja eine Gebrauchsanweisung für Neulinge), das sind die Angaben in Meilen, die Ihr mit 1,6 multipliziert, um sie in den gewohnten Kilometern zu haben. Da ist die Rede von dual carriageway und single carriageway. Wie unterscheidet man das? Das Zeichen dazu ist dasselbe.

Es ist ganz einfach. Selbstverständlich wird jeder mit den Begriffen dual/single etwas anfangen können - doppelt/einfach. Auf einem single carriageway habt Ihr für Eure Fahrtrichtung eine eigene Spur, sogar manchmal doppelt (zum überholen). Dasselbe haben die entgegenkommenden Fahrzeuge, aber die Bahnen sind nur durch Straßenmarkierungen getrennt. Sind sie durch einen Grasstreifen und/oder eine Abtrennung (Pöller oder Zaun) voneinander getrennt, habt Ihr einen dual carriageway und dürft etwas schneller fahren. Easy, isn´t it.

Zur Beruhigung möchte ich erwähnen, dass es eine wunderbare Hauptachse durch Schottland gibt, das ist die A9. Sie führt über etwa 350 km von Perth bis ganz in den Norden nach Thurso. Ich wage mal zu behaupten, dass jeder sie zu irgendeinem Zeitpunkt nutzen wird. Zum größten Teil fällt sie unter die nationale Geschwindigkeitsbegrenzung und ist einfach zu befahren. Die Spuren sind NICHT schmal. Meine Wohnstraße hier in Dortmund ist dagegen ein Nadelöhr. Also keine Angst, nur gewisse Vorsicht wie man es überall tut.

Wenn Du Deine Route so planst, dass Du wirklich vom Süden ganz in den Norden möchtest, dann halte Dich doch an die A9 und wähle Deine Unterkünfte jeweils in etwa 40-50 km westlich oder östlich der A9, und Du hast schon eine Menge Schönheiten abgedeckt.

Jahaaa! Es gibt soooo viel mehr, aber dieses ist ein Anfang. Man kommt durch das schöne Perthshire, findet Scone Palace und den fantastischen Loch Tay bei Aberfeldy und Kenmore, besucht das hübsche Dunkeld und das pittoreske Highland-Städtchen Pitlochry und umrundet den Cairngorm Nationalpark süd-/südwestlich. Du hast die Möglichkeit, das Highland Folk Museum bei Aviemore anzusehen, findest die eine oder andere Bahnstation, wo eventuell gerade der legendäre Royal Scotsman einläuft, läufst selber bei der Dalwhinnie Destille ein, schaust Dir Inverness an, und auch das berühmte Schlachtfeld von Culloden ist nicht weit von der A9 entfernt. Auch auf Burgen musst Du nicht verzichten: Blair Castle, Cawdor Castle und Dunrobin Castle sind alle östlich oder westlich der A9 erreichbar.

All das ist machbar, ohne dass Du dich straßentechnisch furchtbar abmühen und ins mutmassliche Verderben schmeißen musst.

Und nun kommt sicherlich eine der am meisten gestellten Fragen: Ist das denn nicht total touristisch auf dieser Strecke? Fährt da nicht jeder her? Das ist doch gar nicht das viel zitierte und als traumhaft gepriesene off the beaten track! Das mag stimmen, aber ist es nicht so, dass jemand, der noch nie in Schottland war, gern die Highlights sehen möchte, von denen alle erzählen? Es gibt einfach bestimmte Dinge, die man sich anschaut, weil man davon in jedem Reiseführer liest, weil jeder davon erzählt und weil auch genau das Schottland für Einsteiger ausmacht? Der Wunsch ist alles andere als verwerflich.

Wenn ich nach Venedig reise, dann will ich mir auch den Markusplatz ansehen und die Rialtobrücke. Und der in Venedig Lebende sagt: "Au Mann, so touristisch abgelatscht."

Tja, so ist das aber mit dem Tourismus.

Seit nunmeher 33 Jahren plane ich für meine Kunden Schottlandreisen und führe immer eine sogenannte Bedarfsermittlung durch. Ein technisches Wort, das mir aber zeigt, wovon alle träumen, die zum ersten Mal nach Schottland reisen: Edinburgh, Inverness, Glencoe, Glenfinnan (wegen Harry Potter) Castles, Loch Ness, Cairngorms, Fort William und auch mal eine Destille. Es ist so.

Ich selbst z.B. hätte nicht mehr annähernd Lust, nach Inverness zu fahren, da mir das so gar nichts gibt, aber auch das ist Geschmackssache. Genauso wenig kann ich Fort William als Stadt etwas abgewinnen. Asche über mein Haupt, denn einige Auswanderer leben dort und haben ihre Gründe, warum sie es gewählt haben. Die umgebende Landschaft ist toll, keine Frage, und als Basis für Ausflüge passt es.

Aber egal wie ich das selbst finde, es ist meine Aufgabe, Träume realistisch zu erfüllen (was für eine Wortkombination!) und vielleicht ein wenig anzuleiten, was für Dich eventuell doch gar nicht passt. Und dich freizumachen von der Vorstellung, alles anschauen zu müssen, von dem andere meinen, wenn man das nicht gesehen hat, war man nicht in Schottland. Das nenne ich das "Geiranger-Syndrom". Wer in Norwegen den Geiranger-Fjord nicht gesehen hat, war nicht in Norwegen. So ein Quatsch! Es gibt tausende genau so schöne Fjorde. Und ebenso verhält es sich mit Schottland und seinem Loch Ness.

Doch wenn Du Nessie sehen willst, dann ist das halt so, und Du fährst zum Loch Ness. Und Du siehst sie auch - in Form von Hundertschaften an Plüschversionen in den Souvenirshops.

Dann kommst Du ganz im Norden an oder bewegst Dich abseits der A9 und siehst Dich auf einmal mit singletrack roads konfrontiert. Oh my God! Was nun? Ich persönlich fühle mich hier tatsächlich noch sicherer, da ich nicht mehr so sehr darauf achten muss, ganz links zu bleiben, denn man hat ohnehin nur noch die Straßenmitte zur Verfügung.

Hier findest Du eine sehr praktische Einrichtung, die passing places. Es gibt sie in guten regelmässigen Abständen auf jeder Seite, und Du nutzt sie, sobald Du siehst, dass Dir ein Fahrzeug entgegen kommt. Dann wirst Du auch feststellen, wie zuvorkommend die Schotten sind, denn sie bestehen nicht darauf, noch schnell vorzupreschen, um Dich dann irgendwie an den Straßenrand zu drängen. Sie wissen wie es geht, und Du siehst oft die Lichthupe als Zeichen, dass der Entgegenkommende auf seinen passing place einbiegt und auf Dich wartet. Das machst Du dann genauso höflich, denn Du hast ja Zeit, bist im Urlaub, das hast Du ja nicht vergessen.

Und da Du im Urlaub bist, willst Du natürlich viele schöne Eindrücke einfangen und fotografieren. Wenn man dann gerade einen passing place hat, da kann man sich doch mal kurz gemütlich einrichten auf ein Foto. Aber genau das ist nicht erlaubt!

Das entlarvt Dich tatsächlich als Touristen, und als ignoranten noch dazu. Es gibt immer irgendwo kleine oder größere Parkplätze. Nutze sie und erlaufe Dir den Rest um Dich herum. Das Foto vom Parkplatz aus hat definitiv genauso eine schöne Landschaft um Dich herum wie das hinter dem passing place.

Gegen Ende der Gebrauchsanweisung noch ein Wort zu den Schotten im Straßenverkehr. Ich fahre in Deutschland gar nicht so gern Auto, weil man ständig an- oder weggehupt wird, alle scheinen irgendwie aggressiv zu sein und haben es immer furchtbar eilig. Und das "Belehrungs-Gen" scheint uns Deutschen irgendwie eigen zu sein. "Gib doch mal Gas, Du Pattjackel", sagte mein Vater immer, und bis heute weiß ich nicht, was ein "Pattjackel" überhaupt sein soll. Irgend ein Doofmann wahrscheinlich.

Links fahren in Schottland ist nicht schwierig, ich bin sogar der Meinung, einem Linkshänder wie mir kommt das gelegen. Aber am einfachsten ist es, weil die Schotten sehr rücksichtsvoll sind. Das bedeutet natürlich nicht, dass Du zum Bewundern der Highlands mit Spielstraßengeschwindigkeit durchs Land reist, doch auch dann gilt für den Schotten wahrscheinlich der Satz "not my cup of tea", also "nicht meine Angelegenheit". Vielleicht gibt es noch das Buch von George Mikes über Großbritannien, der diese allen Briten eigene Angewohnheit so ähnlich beschreibt wie: "Es ist schließlich nicht meine Angelegenheit, wie langsam jemand über die Straße fährt, er wird schon seine Gründe haben".

Ich bin jedenfalls noch nie angehupt worden und erzähle das auch auf jeder meiner Busrundreisen, immer in der Hoffnung, dass uns nicht doch auf einmal ein irre gewordener Schotte überholt und weghupt.

Am Ende ist es auf der letzten Tour genau so passiert. Wir wurden überholt und der ganze Überholvorgang mit Huperei verziert. Also doch! Sie können es doch!

Wer war aber der Huper wirklich? Es war ein PKW aus Paderborn. Unser Bus hat auch ein Paderborner Kennzeichen und auf der Seite die Werbung vom SC Paderborn (weil auch Mannschaftsbus). Da war ein ausgeflippter Fan am Werk. Wenn der gesehen hätte, dass da nicht die Mannschaft drin sitzt, sondern nur ein Trüppchen Best-Ager...

Hatte ich übrigens schon erwähnt, dass man in Edinburgh kein Auto braucht? Dann ist das hiermit nachgeholt. Ich hatte einmal ein Apartment in der Innenstadt gebucht und dort auch einen Parkplatz dabei, was mich motiviert hat, einfach bis dahin noch meinen Leihwagen zu nutzen. Es war dunkel mittlerweile, und auch wenn ich Edinburgh zu Fuß so gut wie auswendig kenne, per Auto mit den Einbahnstraßen ist das eine ganz andere Nummer. Lasst es einfach bleiben!

Der aufmerksame Leser wird jetzt gemerkt haben, ich habe etwas Wichtiges vergessen: Die Kreisverkehre. Für mich sind sie Segen und Fluch zugleich. Lange hat es gedauert bis ich verstanden habe, wie die Roundabouts mit den mehrfachen Spuren funktionieren. Einfache, "billige" Kreisel sind leicht zu bewältigen, da habe ich in meinem Vorort zwei super Beispiele, an denen ich täglich übe - natürlich nicht links herum. Du musst zunächst mal am Kreisel anhalten, da alle im Kreisel natürlich Vorfahrt haben. Dann biegst Du links ein und bleibst auf der äußeren Spur, sobald Du direkt die nächste Ausfahrt nehmen möchtest. Wenn nicht, nimmst Du eine der inneren Spuren. Ich finde, das bedarf ein wenig Übung und auch Mut, denn ich meine immer, wenn ich nicht ganz außen bleibe, verpasse ich die Ausfahrt. Wobei idealerweise immer noch auf den Spuren die einzelnen Orte stehen, die man aus dem Kreisel heraus erreicht. Aber mit Geduld und Spucke lernst du das, und dann ist da ja auch noch der entspannte Schotte, der es Dir wahrscheinlich nicht allzu übel nimmt, wenn Du etwas falsch machst. Ein Handwink als "sorry" hilft dabei enorm und wahrscheinlich auch ein deutsches Autokennzeichen.

Ich überlege jedes Mal, ob ich nicht meines von zu Hause abschraube, mitnehme und am Leihwagen befestige. :-)

Jetzt freue ich mich, mir Gedanken über eine Fortsetzung zu machen, in der ich mich weit aus dem Fenster lehne und erzähle, was ICH meine, was man gesehen haben muss.

Ein gewagtes Unterfangen. Weitere Fortsetzungen sollen auch noch das Thema "Gepäck" beinhalten und klar machen, was man alles nicht braucht. Es geht ums Wetter, Essen, Trinken und Traditionen. Ich bin selbst gespannt.

Bis dahin lade ich Euch ein, auf meiner Internetseite zu stöbern:





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