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Meine Gebrauchsanweisung für Schottlandreisen(de)

 

TEIL 3 - DREI SPRACHEN, JEDE MENGE HAFER UND ZUVIEL FULLY BOOKED

 

Du reist nach Schottland und sprichst natürlich Englisch. Zumindest wäre es von Vorteil, weil man sich dann einfach besser mit dem Land verbinden kann, mehr erlebt und mittendrin ist. Du hast schnell noch eine App heruntergeladen, um Dein Schulenglisch aufzupolieren oder es sogar erst einmal aus den tiefsten Abgründen herauszuangeln. Wenn Dir dabei mal nicht Nessie an den Haken geht, die lebt auch in solcher Tiefe wie Dein englischer Wortschatz. Jetzt hast Du es aber wieder drauf und machst Dich hochmotiviert auf die Reise.

Aber was ist denn jetzt los? Ist das Englisch, was Deine Lauscher da im Pub, Supermarkt oder Hotel zu hören bekommen? Wenn Du aus Bayern kommst, dann ist das gerollte Rrrrrr für Dich nicht so spektakulär, das kannst Du auch. Aber da ist noch so viel Anderes, wo Du erstmal nachfragen musst, was denn eigentlich gemeint ist.

Der Dialekt ist schon sehr speziell. Einerseits gibt es Wörter, die so ausgesprochen werden, wie es dem Deutschen eigentlich sehr entgegen kommen sollte. Das "no" hat ein richtig schönes "O" wie in unserem Wort "wo". Nicht wie das "o" bei den Engländern, für das Du erst einmal mit Deinem Zeigefinger die Nasenspitze ganz weit hochschieben musst, um die berühmte "stiff upper lip" zu erzeugen und dann einen Laut von "e" zu "o", oder mehr noch zum "u" hervorzubringen: "neou". So in etwa.

Schön auch für Dich (der Engländer kann das meist nicht so gut) ist das Phonem [x], also wie in "Dach" oder "Buch". Der Schotte hat sowas in seinen Seen, die im Schottischen "Loch" heißen.

Das soll hier keine linguistische Abhandlung werden, ist aber nicht ganz unwichtig, denn Dein Überleben in Schottland könnte davon abhängen, dass Du mit dem schottischen Dialekt zurecht kommst. Aber keine Sorge, so schlimm ist es natürlich nicht. Du gibst Dir einfach etwas Mühe, hörst ganz genau zu und bittest Dein schottisches Gegenüber einfach, den Satz noch etwa 10-12 Mal zu wiederholen, dann hast Du´s raus.



Was aber um Himmels Willen ist ein "fesh"?

Weil ich Dialekte so unglaublich spannend finde, habe ich mal einem Schotten während eines Gespräches darüber gesagt, mir wäre aufgefallen, dass man in seinem Land das Wort "fish" eher wie "fesh" ausspricht. Das ist definitiv so, aber der gute Mann hat überhaupt nicht verstanden, was und wie ich das meinte. Er hat doch schließlich ganz richtig "fesh" gesagt. Eines der Nationalgerichte ist demnach auch "fesh ´n cheps", wenn Du verstehst was ich meine. Auf das Essen in Schottland komme ich später zu sprechen. Zuerst musst Du leider mit mir etwas durch die Linguistik hüpfen, damit Du auch genügend Appetit bekommst.

Und damit Dir auffällt, dass das Wort "Tour" eher klingt wie "Tür", oder sich "out" eher nach

"uut" anhört.

 

Neben Englisch mit recht hartem, derben Dialekt werden in Schottland noch zwei weitere Sprachen gesprochen. Bei einer so kleinen Landesfläche mit so wenigen Menschen leistet man sich hier eine kleine Extravaganz.

Dröseln wir das mal auseinander: Du hast Dich nun endlich in den Dialekt eingehört, und da kommt der Schotte um die Ecke und beantwortet Deine Frage, ob Du ein Sandwich haben könntest, mit "Aye". Komisch jetzt, Du willst ein Sandwich und kein Ei!

Soeben bist Du mit Scots konfrontiert worden, eine Sprache, die man noch in den Lowlands und im Osten pflegt. Neben Englisch, versteht sich. Halte jetzt durch und gib nicht Deine Schottlandplanung auf, da Du fürchtest, hier zu verhungern, weil man nicht versteht, was Du essen möchtest. Keine Sorge, das passiert nicht, und wenn es mit dem Essen nicht klappt, dann bleiben immer noch Whisky, Gin und Belhaven. Letzteres ist eine schottische Biersorte. Werbung dafür liegt mir fern, denn ich mag überhaupt kein Bier. Es ist nur die einzige Sorte, die ich aufgeschnappt habe, weil wir die bei uns im Bus verkaufen wenn wir in Schottland sind und meine Gäste sagen, das schmeckt.



Doch zurück zur Sprache. Essen und trinken tun wir später.

Man ist sich unter den Sprachwissenschaftlern einig, dass Scots im 15./16. Jh. eine eigene Sprache war, und zwar die der Oberschicht und der Literatur. Der Nationaldichter Robert Burns ist wohl einer der bekanntesten Vertreter, der in Scots geschrieben hat. Zur Oberschicht gehörte er allerdings nicht, sondern war Sohn eines Farmers, der statt dem Vater zu helfen lieber im Feld saß und sich um Kopf und Kragen dichtete. Sein Gedicht "An eine Maus" ist für mich ein Paradebeispiel, voller Wörter, die man nicht versteht. Ich muss einfach mal ein bisschen zitieren:

Wee, sleeket, cowran, tim’rous beastie, O, what a panic’s in thy breastie! Thou need na start awa sae hasty, Wi’ bickerin brattle!

Alles klar? Gut.


Robert Burns ist hoch verehrt in Schottland. Man feiert jedes Jahr im Januar seinen Geburtstag mit einem zünftigen "Burns Dinner". Dazu mehr, wenn es ans Essen geht.

Du hast schon Hunger? Sorry, das muss warten, wir unterhalten uns ja gerade so nett.

Hast Du auch immer schön das "R" gerollt? Dann klingt das Maus-Gedicht einfach super!

In den Highlands, an der Westküste und auf den Hebriden spricht man noch Gälisch, eine alte keltische Sprache. Auch das noch. Da versteht man nun wirklich überhaupt nichts, doch kann ich Dich beruhigen, es sind laut Visit Scotland nur noch ca. 60.000 Schotten, die das können und mehr oder weniger regelmässig auch anwenden.

Wenn Du wissen willst, wie es sich anhört, aber gerade nicht in Schottlands Westen bist oder dort vielleicht auch dummerweise niemanden findest, der Dir eine Kostprobe gibt, dann wühle Dich mal durch die Kultserie Outlander. Und dann suche Dir aber bitte genau die Stellen aus, wo Dougal MacKenzie, einer der Serienhelden, es spricht. Du wirst dahin schmelzen (als Frau zumindest) und nie wieder etwas anderes hören wollen als Gälisch.

Und wenn Du mal ganz scharf nachdenkst, dann kannst Du es ja selbst schon. Nimm das Wort Whisky, die Kurzform von Whiskybae, vom gälischen uisghe-beatha, das Wasser des Lebens. Na also, geht doch!

Wenn Du dich bei deiner Rundreise durch den schottischen Westen nur nach den gälischen Ortsnamen richten würdest, hättest Du sehr wahrscheinlich ein Problem. Doch glücklicherweise ist zweisprachig ausgeschildert. Woher solltest Du sonst wissen, daß Du nach Weem bei Aberfeldy fährst, wenn Du den Ortsnamen "Baile a' Chlachain" liest.



A wee bit (ein kleines bisschen) glen, ben, aber, inver und loch solltest Du aber schon verinnerlichen, denn darum geht es im Wesentlichen bei einem Schottlandbesuch.

Ich verrate Dir hier nur soviel, dass es nichts mit Essen zu tun hat.

 

Damit sind wir endlich beim nächsten Thema: Werde ich in Schottland genügend zu Essen finden?

Ich könnte diesen Blogpost kurz und knapp beenden mit einem herzhafen "Aye". Verzeihung, das hatte ich oben noch gar nicht aufgeklärt. Es bedeutet "Ja".

Schottland hat Supermärkte und Tante-Emma-Läden. Die jüngere Generation kennt vielleicht den Begriff gar nicht mehr. Ich weiß auch nicht, wer Tante Emma war (meine hieß Katharina), aber kleine Läden, die vom Klopapier bis zur Marmelade alles auf Lager hatten, hießen so. Bei uns aus der Mode, habe ich sie in Schottland noch oft gefunden und finde das einfach nur schön.

Mittlere bis große Supermärkte findest Du auf jeden Fall recht regelmässig bis rauf nach Inverness, und noch dahinter an der Ostküste hinauf bis Thurso. Sie heißen ASDA, Tesco und Sainsbury´s. Coop ist auch gut vertreten. Und wenn Du denkst, es geht nichts mehr, dann kommt auf einmal noch ein Lidl daher....

Siehe da, auch beide Discounter, die wir von zu Hause kennen, gibt es hier.

Man kann sich also auch in den nördlichsten Highlands versorgen. Da hast Du Glück, dass essen und trinken auch eine der alltäglichen Beschäftigungen der Schotten ist, genau wie bei uns 😉.

Weniger Supermarktdichte gibt es, zugegeben, im Nordwesten. Doch auch wenn es kaum noch Häuser gibt und die Bevölkerung sich nicht sehen lässt, da einfach nicht so zahlreich vorhanden, kann man seine Grundnahrungsmittel bekommen. Postämter haben so einiges auf Lager oder auch die örtliche Tankstelle. So ein winziges Dörfchen wie Kinlochewe in der Region Wester Ross im Norden hat einen Grocer (Lebensmittelhänder oder eben Tante Emma) in der Tankstelle.



Hier leben wenige Menschen, dafür aber umso mehr "Midges" (die beißende, kleinere Abart von Mücken) in Hundertschaften. Ach, was sage ich?! Tausende sind es, aber nicht das ganze Jahr lang, Gott sei Dank. Sie werden Dir auf jeden Fall vom Grocer nichts wegschnappen, denn ihre Nahrung bist schlicht und ergreifend DU!

Ein paar Tage war ich dort auf dem schönen Campingplatz, und zwar im Juni vor etlichen Jahren, zu einer Zeit als Wohnmobile noch nicht mit einem fest installierten Fernseher und Satellitenempfänger auf dem Dach ausgerüstet waren. Wir hatten eine riesige SAT-Schüssel mit an Bord, wie bescheuert, muss ich heute zugeben, denn wir haben natürlich wochenlang in Schottland kein Fernsehen geschaut, da wir mit der fantastischen Landschaft ein besseres Programm um uns herum hatten.

Einmal jedoch, da musste die Schüssel herhalten und draußen sorgfältig ausgerichtet werden, weil Fußball-WM war und Schottland gegen ein Team spielte, an das ich mich nicht mehr erinnere. Sehr wohl jedoch erinnere ich mich an meine Aktion draußen vor dem Wohmobil, in einem Schwarm dieser ätzenden Biester versuchend, die Schüssel hin und herzudrehen wie es die britischen Mit-Camper gemacht hatten, damit die Kiste irgend ein annähernd klares Bild hervobrachte. Was für ein sinnloses Unterfangen, aber jeder hat so seine Macken.

Den berühmten Midges-Killer "Skin so soft" oder "Smidge" hatte ich natürlich vergessen.

 

Zurück zum Essen. Damals war mir allerdings der Appetit gehörig vergangen.

Du magst jetzt anmerken, dass nicht jeder sich selbst verpflegt und Apartments oder Cottages bucht, sondern in Hotels oder Gästehäusern wohnt. Da hat man sein Frühstück zumeist inklusive. Was aber ist mit Abendessen? Wo kann ich das finden?

Zunächst einmal ist das schottische Frühstück so reichhaltig, dass man zwischendurch eher nichts braucht als vielleicht einen frittierten Marsriegel (fried Mars bar). Ja, Du hast richtig gehört, das gibt es hier wirklich. Jahrelang habe ich es mit einem gewissen Schaudern zu probieren abgelehnt, bis mich mein Neffe bei einem Edinburgh-Besuch dazu genötigt hat. Als coole Tante will man natürlich mithalten, und so habe ich aufrechten Hauptes gesagt: "Selbstverständlich werden wir einen frittierten Marsriegel essen. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen." Gesagt, getan. Es war gar nicht soooo schlimm. Lecker möchte ich nun nicht gerade sagen, aber interessant. Meine Befürchtung, dass dieser Riegel seine knusprige Umhüllung in demselben Frittieröl erhalten hat wie der berühmte Meeresbewohner (der "fesh") hat sich glücklicherweise nicht bestätigt.



Bis zum Abendessen bist Du also dann mal satt. Aber dann kreuzt auf einmal noch ein Farmshop Deinen Weg, und da gibt es Erdbeeren. Schottische. Kann man essen. Nein, die MUSS man essen, sie sind köstlich. Das scheint so unglaublich, denn wir befinden uns doch so weit im Norden. Dass da überhaupt was wächst!?

Aber wie gesagt, auch Schotten leben nicht nur von Luft und Liebe, sondern bauen ganz normal ihre Verpflegung an. Und nein, sie müssen nicht grundsätzlich alles vom Kontinent importieren. Oliven vielleicht, denn die pflegen nun eher nicht in dem Highlands zu wachsen.

Dann und wann findest Du, besonders im hohen Norden, kleine Hütten mitten in der Landschaft, am Wegesrand oder als Annex eines Hauses. Hier kannst Du z.B. aus einem Automaten Eier ziehen. Geld einwerfen, Fach auswählen und ziehen. Auf kleinstem Raum sind verschiedene Produkte aufgebaut. Kuchen, Gemüse, Brot und manchmal Handarbeiten. Ganz wichtig ist eine kleine Box in der Hütte, in die Du natürlich den ausgewiesenen Preis einwirfst. Das sind die Momente, wo Du in Schottland noch Bargeld brauchst. Und bitte nicht schummeln! Die Leute möchten auch gerecht bezahlt werden. Und Du fährst mit dem sehr besonderen Gefühl weiter, mitten in der Pampa, wo sonst kaum Infrastruktur ist, ein herrlich leckeres Stück Kuchen ergattert zu haben.



Die wahre Obst- und Gemüsekammer ist übrigens das Kingdom of Fife, die Halbinsel nördlich von Edinburgh, jenseits des Forth Fjordes.

Früher gab es die Erdbeerernte im Juni. Dann waren sie ausgereift und lecker, rechtzeitig zum wichtigsten Ereignis in des Farmers Kalender, der Highland Show. Heute bekommst Du sie schon ab April und manchmal noch bis in den November hinein.

In diesen Farmshops kann man sich ganz herrlich eindecken. Oft auch noch mit dem einen oder schottischen Mitbringsel.

Lammfleisch ist weit verbreitet, was kein Wunder ist bei der hohen Schafsdichte im Land.

Oder Du nimmst Dir mal ein Hochlandrind mit. Oh je, dem Vegatarier in mir schmerzt das Herz, denn diese zotteligen Schönheiten landen auch in der schottischen Pfanne als cholesterinarme, nahrhafte und fettarme Delikatesse.



Für Abends suchst Du nun also in der Einsamkeit ein Restaurant. Auch wenn die Hoteldichte in Schottland nach Norden hin extrem abnimmt, irgendwo findet sich eines, und dort gehst Du essen. Das ist bei uns eher unüblich. Hier jedoch gehört das örtliche Hotel zum täglichen Leben. Es ist gleichzeitig der lokale Pub und Treffpunkt.

Hier bestellst Du sicherlich mindestens einmal Fish&Chips, und wenn Du am Meer bist, solltest Du auf schottische Meeresfrüchte nicht verzichten.

Auf nahezu jeder Speisekarte stehen auch Mac ´n Cheese (Maccaroni mit Käse), Scottish pies, Cullen Skink (eine leckere Fischsuppe mit viel Sahne), Cock-a-leekie (Suppe mit u.a. Hühnchen und Lauch) und natürlich Haggis, neeps and tatties. Da ist es wieder, das Scots. Die neeps and tatties sind Steckrüben und Kartoffeln. Haggis zu beschreiben muss hier auf eine kurze Version beschränkt werden, denn rund um dieses Nationalgericht gibt es so viele Geschichten, die diesen Blogpost leider sprengen würden.

Willst Du mehr darüber wissen, komm mit uns vom 27.-28.1.24 ins niedersächsische Zeven zum Burns Dinner. Dort darf ich zusammen mit dem Vollblutmusiker MacPiet den Abend moderieren, und da gibt´s viel schottischen Input, super leckeres Essen und Whiskies. Slàinte mhath. Das ist Gälisch und bedeutet "Prost".

Mittlerweile bist Du beim Dessert angekommen. Das geht immer. Auf jeder Speisekarte wirst Du Sticky Toffee Pudding finden. Der klebt so schön karamellig am Gaumen und geht eigentlich glatt als Hauptspeise durch. Danach passt definitiv nichts mehr in Dich rein. Schottischen cheese cake (Käsekuchen) finde ich, wie übrigens ganz allgemein den britischen, göttlich. Am besten ist, wenn er auf einem krümeligen Boden aufgebaut ist.

Ebenso süchtig machend ist Cranachan, bei dem man vom gälischen Ursprungswort ein "n" weggeschmissenen hat. Wahrscheinlich, um ein bisschen mehr Platz für die Sahne zu schaffen, die neben Honig, Hafer und Himbeeren Bestandteil dieses "Gemisches" ist. Genau das ist auch die Übersetzung des gälischen Wortes "Crannachan".

Nun ist auch endlich das schottische Nationalgetreide genannt worden: Der Hafer.

Zentrum des Haferanbaus ist Banffshire, ein kleiner Abschnitt zwischen den Cairngorm Mountains und der Küste des Moray Fjordes.

Das interessiert Dich weniger, denn Dein Hafer kommt ja aus dem Supermarkt, und zwar in Form von Keksen, Mehl oder Porridge.

Letzteres nimmst Du zum Frühstück, wenn Du es nach Black Pudding, Mushrooms, Bacon, Beans and Eggs noch schaffst.

Ob es verdauungstechnisch von Vorteil ist, Porridge im Stehen zu essen, sei dahin gestellt. Ich habe es mal gehört als schottische Angewohnheit, aber noch nirgendwo gesehen. Vielleicht ist es so wenn der Schotte es eilig hat, aber ich glaube, das kommt sehr selten vor. Verweisen möchte ich dazu auf meinen Blogpost über die Schnelligkeit auf dieser Insel:

Kleiner Tipp noch zum Porridge. Als ich in einem Hotel morgens gefragt wurde, ob ich Porridge gern mit Whisky hätte, habe ich das für einen Witz gehalten, aber natürlich bestellt, denn die Neugier war groß und ich musste nicht fahren.



Nun habe ich mit Schrecken gelesen, dass die schottische Regierung auf ihrer Internetseite veröffentlicht hat, dass der Anteil des Hafers an der Getreideernte letztes Jahr nur 6% war.

Das findest Du unwichtig? Ich auch, mache mir aber kurz Gedanken, welches Getreide dann wohl mehr Prozente erlangt.

Es muss die Gerste sein, denn daraus werden zumindest ganz viele Prozente, nämlich in Form von Whisky.

Dieses Nationalgetränk verdient ganz sicher einen extra Blogpost, doch der wird nicht von mir kommen, denn da bin ich nicht vom Fach.

Seit Jahren schon nutze ich Tastings nur dazu, endlich einmal etwas anderes rauszuschmecken als Alkohol. Wie mein Mann, ein Whiskykenner, herauszuriechen oder zu schmecken, dass da Karamell- oder Vanillenoten zu Tage kommen, schaffe ich in diesem Leben nicht mehr. Noten sind für mich auf Papier und werden von Musikern in Töne verwandelt. Punkt!

Ein weiteres typisch schottisches Getränk ist Irn-Bru. Man könnte es auf Deutsch mit "Eisen-Gebräu" übersetzen. Also jetzt wird es aber wirklich komisch. Die Schotten sind wohl tatsächlich (eisen)hart im Nehmen und stählen sich wahrscheinlich auf diese Weise, um sich schon im März in die Sommerkleidung werfen zu können ohne zu erfrieren.

Iron-Bru ist ein koffeinhaltiges, knall-oranges Getränk ohne Alkohol. Und steht noch eine 32 dahinter, ist das die schottische Antwort auf das österreichische rote "Energie-Rind".

Da lobe ich mir doch das gute Highland-Wasser. Natur pur und lecker neutral.

Gin ist übrigens stark im Kommen. Er wird aus nahezu allem destilliert, inklusive Brennnesseln. Mir hat zu diesem Thema die kleine Destille in Stirling sehr gut gefallen. Aber auch bei Blairgowrie soll es eine außergewöhnlich gute geben.

Last, but not least ist für mich das außergewöhnlichste schottische Getränk "Whipkull". Ob es das wirklich noch gibt? Eine Mischung aus Eigelb, Sahne, Rum und Zucker.

Na dann "Cheers". Gerade überlege ich, ob unser Eierlikör nicht genau so hergestellt wird.

 

Du bist jetzt fertig mit Deinem Abendessen.

Ach so, Du hast gar keinen freien Tisch mehr bekommen? Was ist denn da passiert? Du hast nicht vorher reserviert und somit den Fully-booked-Status kennengelernt?

Das kommt leider immer häufiger vor, so dass einen die Spontaneität oft zum hungern verdonnert. Besonders in der Hauptsaison. Wann war die noch gleich? Im Schnitt von März bis Oktober und dann wieder zur Weihnachtszeit. Also irgendwie dann doch fast das ganze Jahr.



Richtig ungemütlich aber kann es werden, wenn Du deine Unterkünfte nicht vorab gebucht hast, und zwar weit im Voraus, viele Monate. Ich dürfte das hier eigentlich gar nicht sagen, denn als Reisebüro ist es für uns ja besser, wenn Du kurzfristig buchst, weil wir dann einfach mehr Umsatz machen, da dann die Unterkünfte noch viel teurer sind. Das Probelm dabei ist allerdings, dass sie dann meistens gar nicht mehr verfügbar sind, und dann gehen wir beide leer aus.

Ich höre schon diejenigen, die eifrige Verfechter des "ich lass´mich einfach mal treiben" sind. Jedem das Seine, aber ich möchte gern mal Mäuschen spielen und schauen, wie es vor Ort dann wirklich aussieht. Mach dir nichts vor, es wird nicht einfach. Die meisten Schilder an Unterkünften werden mit dem Text "fully booked" oder "no vacancies" versehen sein. Beides bedeutet: "Nichts frei". Vor allem natürlich zu den gefragtesten Reisezeiten, und die habe ich oben bereits erwähnt.

Das Totschlag-Argument derer, die nichts reservieren, ist immer, dass man dann flexibel bleibt und vor Ort entscheiden kann, wie lange man wo bleibt. Wenn ich dann noch die komplette Auswahl an Unterkünften habe, in einem Land bin, wo es an jeder Ecke welche gibt und mir auch egal ist, wie sie ausgestattet sind, mag das in Ordnung sein. Für mich jedoch bedeutet das, und ich habe hier eigene negative Erfahrungen gemacht, dass ich mir ab Mittags schon Gedanken machen muss, wie weit ich fahre und wann ich anfange, Unterkünfte zu suchen. Das zerstört mir komplett den ganzen Tag und stresst mich total. Wenn dann noch Kinder an Bord sind (wann sind wir dahaaa?), wird es ernst.

So geschehen vor vielen Jahren in Irland, als ich zwar reserviert hatte, aber folgendes geschah: Vorab hatte ich mich erkundigt, ob Hunde erlaubt sind und "yes", es ging in Ordnung, "dogs are welcome". Angekommen, für schön befunden, Hund aus dem Auto geholt und ab zum Einchecken. Aber halt, der Hund! Der darf nicht hinein. Ich war sehr verärgert, hatte ich doch die Zusage dafür. In der Tat akzeptierte der Besitzer Hunde, aber draußen in einer Hundehütte. Ich war noch nie so schnell wieder im Auto und ab zur Suche nach einer neuen Unterkunft. Ich weiß nicht mehr, bei wie vielen Unterkünften wir angehalten haben. Entweder waren Hunde nicht erlaubt, es war nichts frei, das eine war viel zu teuer, in dem anderen mochte ich nicht tot über´m Zaun hängen.

Ich war total genervt und sah am Ende des Tages keine andere Möglichkeit, als einfach das nächst beste Zimmer zu buchen, egal wie teuer. Und das war es. Nie vergessen werde ich das rote Hotel, wo es uns wirklich gut gefallen hat, aber niemals hätte ich vorher so viel Geld dafür ausgegeben.

Seitdem ist das Thema für mich gegessen. Ich reserviere alles laaaaaange im Voraus und kann es nur jedem raten. Ich glaube, man sagt, dass Urlaub Entspannung bringen soll, und die finde ich nicht, wenn ich vor Ort suchen muss.



Nun soll dieser Blogpost doch nicht mit einem vielleicht negativen Einschlag enden, daher möchte ich noch etwas Aufmunterndes anhängen, damit Du dich nicht gleich frustriert vom Dach stürzt und Deine Schottlandpläne aufgibst.

Schottland ist so ein wundervolles Land, das eine Vielfalt bietet, die ihresgleichen sucht. Es gibt so viel zu entdecken und vor allem: Es gibt sie also doch! Nessie! Schau mal hier:



Ich habe es doch gesagt! Du kannst hier nicht verhungern. Und dennoch bleibt der Hunger.... Der Hunger nach mehr.


Über einen Teil 4 denke ich gerade nach. weiß aber nicht, welche Inhalte noch interessant sein könnten. Vielleicht über schottische Eigenarten und schottische Tiere? Es gibt ja schließlich noch mehr als Nessie.

Sag Du es mir.






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