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Meine Gebrauchsanweisung für Schottlandreisen(de)

Teil 4 - Von traumhaften Lagen, Wohlfühlzimmern und Na-Ja-Atmosphäre

 

Die Routenplanung für die Schottlandreise steht, die Anreise ist auch gesetzt. Da war doch noch etwas Wichtiges? Ach ja, Du musst auch irgendwo schlafen.

Hotel, B&B, privat irgendwo im Keller, im Auto oder Ferienhaus. Die Auswahl ist riesig.

Nun ja, zumindest für schottische Verhältnisse, denn man sollte nicht vergessen, dass es weiter nördlich immer weniger und weniger wird. Und übrigens auch, je länger Du mit deiner Buchung wartest.

Wann ist der ideale Zeitpunkt zu buchen?

Zunächst einmal dann, wenn Du deinen Urlaub tippi-toppi-bombenfest genehmigt hast.

Du bist Rentner? Na ja, dann hast Du meiner Erfahrung nach eigentlich nie Zeit und solltest noch wesentlich früher planen, damit nicht noch sechzigste Geburtstage, neue Enkelkinder, Kommunionen oder sonst was dazwischen kommt, so schön das eine oder andere Ereignis auch sein mag.



Und was kostet das alles?

Soviel ist klar: Geld. Und nicht zu wenig.

Aber das bestimmst Du zu einem großen Teil auch selbst durch deine frühe oder späte Buchung. Mit "früh" sind viele Monate bis hin zu einem Jahr im Voraus gemeint.

Auf jeden Fall möchtest Du es so günstig wie möglich, das ist eigentlich klar.

Ich warte in meinem Reisebüro schon seit 33 Jahren auf den Kunden, der reinkommt und auf meine Frage nach dem etwaigen Budget antwortet: "Egal, Hauptsache so teuer wie möglich."

Das wäre dann der Zeitpunkt, den Schlüssel umzudrehen und ein Schild in die Tür zu hängen "Wegen Reichtum geschlossen."

 

Für welche Art von Unterkunft soll man sich denn nun entscheiden? Da stellt sich grundsätzlich erst einmal die Frage, welche Qualität Du denn im Auge hast. Auch hier kenne ich die Antwort schon, die zu 90% gegeben wird: Hauptsache sauber. Und da kann es dann schonmal haken, denn es gibt doch einige schmutzanfällige Ausstattungen in schottischen Hotels (und nicht nur dort). Teppichboden quasi überall. Ein Hoch auf das Karomuster, da sieht man wenigstens die Flecken nicht so doll.



Manche Gastgeber sind aber auch so mutig, einen hellgrauen oder cremeweissen zu verlegen, was mir immer die Haare zu Berge stehen lässt, denn das kann auf Dauer nur schief gehen.

Wohl dem Beispiel der Unterkunft von René und Britta in Blairgowrie, wo ein Schild darauf hinweist, dass im Obergeschoss, wo die Gästezimmer sind, Barfuß- bzw. Sockenzone ist. Das hat mir sehr gut gefallen. Und bei Constanze in Taynuilt gibt es Vinylboden. Was will man mehr an Pflegeleichtigkeit?

 

Grundsätzlich hat die Meinung über Ausstattung der Unterkünfte immer ein hohes Streitpotential, denn der eine drückt schonmal 10 Augen zu, der andere hat die rosa Schottlandbrille auf und sieht die Problematik erst gar nicht, der dritten ist das sowieso egal, Hauptsache Schottland, und wiederum ein anderer kriegt schon die Krise wenn er sieht, wie mancherorts verfugt wird.



"Neulich saß ich da mal so.... on the Scottish loo... und schaute in die Höhe. Schöne neue Fliesen, ganz schön schick, aber dann war der Fliesenleger wohl nicht mehr in der Lage oder gar Willens, die Fuge zwischen der vorletzten und obersten Fliesenreihe zu füllen. Oder war kein Fugenmaterial mehr zu bekommen? Ich weiß es nicht. Es sah einfach schäbig aus, aber ich habe dennoch über die Gelassenheit des Hoteliers gelacht, dem das nicht wichtig war.

Meine uralte Freundin aus Freuchie verkündete mir jüngst, sie hätte endlich neue Fliesen für ihr Bad gefunden. Ich war hellauf begeistert und schon total neugierig auf ihr neues Bad. Das wurde aber auch mal Zeit.

Dann kam der große Moment, wo ich auf einer Tour 2 Stündchen Zeit fand, sie zu besuchen, und was war geschehen? Sie hatte so lange im Internet gesucht, 2 .... ZWEI!!! passende Fliesen zu finden, die sie ausgebessert hat. Da hat sie zwei kaputte Fliesen rausgepröckelt und ersetzt. Und Zack! Neues Bad.

Der Blumenkübel im Garten ist schon x-mal gebrochen, aber sie steckt die Scherben immer wieder dekorativ in den Rest, denn dann tut er's doch noch. Und überhaupt, Staubwischen wird total überbewertet. Ist doch schottische Luft, was soll da schädlich am schottischem Staub sein? Auf die WC-Spülung hämmert man dreimal, dann geht's. Aber der Hund hat regelmäßig ein neues Halsband. So also!



Eigentlich sollte man diese Gelassenheit bewundern und sich davon was einpacken lassen und nach Deutschland mitnehmen, aber es gelingt mir nicht immer. Auch nach so vielen Jahren Schottland nicht. Ich versuche immer, mir etwas abzugucken, aber wenn ich mich dann beim Staubsaugen in einer Ecke das fast unsichtbare Staubkörnchen jagend wiederfinde, dann hat es mal wieder nicht geklappt.


Nun soll hier aber keinesfalls der Eindruck entstehen, es wäre in des Highlanders Land alles nicht in Ordnung. Aber es braucht an vielen Stellen schon Gelassenheit, und wenn man zum Typ Blindfisch gehört, hilft das auch. Es ist halt vieles total alt. Das Land ist ja auch alt und damit sehr traditionell.

Und es gibt einen riesigen Unterschied zwischen alt und alt.

Alt = gewisse charmante Patina, oder Alt = abgewetzt.



Ich habe alles davon schon erlebt, muss aber sagen, dass sich doch ein bisschen was tut hier und da. Der Schotte erinnert sich wohl doch an das 18./19. Jh., als in der Old Town von Edinburgh die Hochhäuser des Mittelalters marode ineinander fielen. Das soll ja nicht wieder vorkommen, also "refurbished" man mal ein wenig.

Und dann kommen auf einmal auch ganz tolle Unterkünfte dabei raus. Für meinen Geschmack sind im bezahlbaren Bereich viele Ferienhäuser besser als Hotels und Gästehäuser. Kann gern widerlegen, wer mag. Deswegen habe ich mittlerweile auch ein großes Portfolio an Cottages, Lodges und Wohnungen, in denen man sich einfach rundum wohlfühlen kann. Auch wenn es bei der Reise hauptsächlich um das Land und seine Menschen geht, so denke ich doch, auch Du möchtest nicht schlechter wohnen als zu Hause.

Neulich erst bat eine Kundin um Unterkünfte, die zumindest nicht älter sind als sie selbst.

Ich weiß nicht wie alt sie ist.... Aber sicher nicht erst 15.



Man ist in Schottland nun einmal stolz auf Altes. Da wirbt man mit dem Oldest Inn in Scotland, ein altes, hutzeliges Gebäude in Kenmore am Loch Tay (momentan leider immer noch geschlossen wegen Renovierung). Die Decken sind niedrig, überall sind Stufen, Du machst gefühlt mehrere Kilometer bis Du in deinem Zimmer angekommen bist. All das hat Charme. Der Fußboden in Deinem Zimmer ist krumm und uneben. Das Haus ist aus ganz frühen Jahrhunderten. Die Tapete mit Blümchen, der Teppich kariert. Charmant, aber nach ein paar Tagen tut es doch ein wenig in den Augen weh.

Irgendwann dann, irgendwann ist es einfach nicht mehr schön und The Oldest Inn kann einfach nicht mehr nur damit punkten, dass er so alt ist. Er ist dann auch oll und man möchte sich nicht ausmalen wie die Theke im Pub und das Mobiliar aussehen, wenn da mal Tageslicht dran kommt.

Je weiter Du nach Norden kommst, desto weniger Auswahl hast Du. Es ist doch auch kein Wunder, denn da wohnt ja kaum noch einer. Warum das überhaupt so ist? Es ist ja nicht verboten, dort hinzuziehen, aber im 18. Jh. schon, nach der verlorenen Schlacht von Culloden, wurden die Bewohner der Highlands von den Engländern an die Küste vertrieben oder ganz und gar aus dem Land. Schafe brachten mehr Profit als Menschen, und so ist das Land ganz im Norden auch heute noch ziemlich leer. Bedingt durch die Bergregionen wäre natürlich auch das Leben dort nicht ganz so einfach. Was gibt der Boden dort her?

Somit wirst Du an Unterkünften nicht viel Auswahl haben. Und um die kämpfen die ganzen Touristen. Was glaubst Du, wie lange es dauert, bis bei dem seit einigen Jahren anhaltenden Schottland-Hype ein solch kleines Gästehaus mit 10 Zimmern ausgebucht ist?

Einige Zahlen, die man auf der Seite der schottischen Regierung nachlesen kann, besagen, dass es 19.660 "Businesses" gibt, die Zimmer vermieten, darin enthalten (per 2019) 1465 Gästehäuser und B&Bs. Wenn ich mir eine durschnittliche Zimmeranzahl von 5 hochrechne, dann stehen 7325 Betten zur Verfügung. 80% davon gehen an britische Urlauber. 15,3 Millionen Urlauber buhlten insgesamt um diese Zimmer in der Saison 2019.

Und jetzt kommst Du!



 

B&B - das magische Wort. Bed and breakfast, der Inbegriff eines tollen Urlaubs mit Familienanschluss und vor allem preiswert. Und genau das ist es nicht, bzw. nicht mehr. So manch ein Suchender ist verwundert ob der hohen Preise. Aber wie soll es denn auch gehen? Der Schotte sitzt auch nicht in so einer Blase, in die keine höheren Energiepreise reinkommen. Man leidet dort genauso unter hohen Energiekosten, verteuerten Lebensmitteln etc. etc. Da kann ich mich nicht bei mir zu Hause aufregen, was ich alles stemmen muss und dann in einem anderen Land erwarten, dass der Vermieter mir sein Zimmer zum Schnäppchenpreis gibt. So nett auch der Kontakt zu Einheimischcen ist, so gastfreundlich die Schotten auch sind, niemand macht das aus Spaß an der Freud´. Ausnahmen bitte hier melden, ich buche sofort!

Es soll aber auch Reisende geben, die gern ein wenig mehr für sich sind und keine Lust haben, mit den Gastgebern zusammen am Frühstückstisch zu sitzen. Ich muss mich outen, ich gehöre dazu. Mal hier und dort ein nettes Schwätzchen, denn ich glaube, niemand, der in der Touristik arbeitet, ist kontakt- oder kommunikationsscheu, aber im Urlaub ein wenig für mich, das ist schon schön. Die Landschaft und Du, das kann richtig schön, sogar eine Liebe fürs Leben werden.



B&Bs, zumindest geführt von nicht gewerblichen Gastgebern, stehen aktuell auch nicht alle unter einem guten Stern, denn sie brauchen nun eine Lizenz, was für mich ehrlich gesagt auch nur gerecht ist, denn touristische Unternehmen zahlen auch nicht zu knapp Steuern für alles mögliche was mit touristischen Leistungen zu tun hat.

Diese Lizenz bekommen nun nicht alle und manche können oder mögen sie sich nicht leisten, weil es sich dann einfach nicht mehr lohnt.

Auch wenn es gebietsabhängig ist, hier wird einigen Betten wahrlich der Lattenrost unter der Matratze weggezogen.

Und der Tourist wundert sich, dass dann Gästehäuser und Hotels noch mehr Geld für ihre Betten nehmen, die übrigens, wie ich finde, im Vergleich zu deutschen und französischen Betten, doch eine gute Portion an Gemütlichkeit und Bequemlichkeit aufweisen.

Dass man sich bei Buchung eines "double bed" dann zu zweit um eine Bettdecke prügeln muss, ist mittlerweile sicherlich bekannt. Hat man keine Lust, mit seinem Partner nachts Kämpfe auszutragen (ich meine damit die unangenehmen), empfiehlt sich die Buchung eins "twin rooms". Da sind dann Zwillinge drin - Zwillingsbetten natürlich. Für den Nachwuchs musst Du schon selber sorgen.

 

Wenn dann kein schönes B&B mehr zu finden ist, da geschlossen, es gefällt Dir nicht oder ist auch nicht so günstig, wäre doch eine sogenannte "Cabin" eine tolle Alternative. "Kabine", das hört sich preiswert an. Da schwingt sowas Winziges mit, eng, einfach, günstig.

Diese "Cabins" sind aber die große Mode. Viele Landbesitzer, die nicht alles beackern können oder wollen, die einfach eine riesige Fläche übrig haben, entscheiden sich, sie mit "Lodges", "Tiny Houses" oder "Cabins" zu bestücken. Oftmals hat man einen super Ausblick, z.B. aufs Meer oder die Bergwelt, ganz unschlagbar schön. So sind dann auch die Preise, wobei es sich hier empfiehlt, mehrere Nächte zu buchen, denn je länger der Aufenthalt, desto günstiger wird der Tagespreis.

Und lohnen tut sich eine etwas höhere Investition in eine derartige Übernachtung auch. Ich könnte mir Schlimmeres vorstellen, als z.B. hoch über einem schottischen Fjord vor meinem "Tiny House" auf der privaten Holzterrasse am Frühstückstisch zu sitzen, im Schlafanzug wohl gemerkt, jederzeit bereit, in den Hot Tub zu hüpfen und mich am Meer nicht satt sehen zu können.

Und da ich mich daran nicht satt sehen kann, passt auch noch ein weiteres Toast mit Cheddar Cheese in den Bauch. Oder ein paar schottische Erdbeeren.



Hostels, da bin ich raus. Es ist nicht meine Welt. Die Zeit der Etagenbetten ist definitiv vorbei, sofern sie überhaupt je da war. Erst kürzlich habe ich in einer Facebook-Gruppe einen Beitrag gelesen, wo jemand einen Tipp für eine preiswerte Unterkunft in Edinburgh abgegeben hat. Sofort habe ich nachgesehen, wie die Unterkunft wohl ist und was sie kostet. Es war ebenfalls ein Haus mit Schlafsälen, die kleinste Einheit für 4 Personen, und in der Hochsaison kostet die Nacht dort 364 Pfund. Gut, das kann man sich dann zu viert teilen, aber im Ernst! Ist es das was Urlaub ausmacht? Ach ja, ein privates Bad habe ich dafür auch noch.

Hier gibt es übrigens einen wichtigen Hinweis: Das private Bad muss nicht unbedingt direkt in mein Zimmer integriert sein, es kann auch am Ende des Ganges liegen, so dass ich in meinem Schlafpölterchen da erstmal über den Flur schleichen muss. Wohl dem, der sich Abends im Pub zurückgehalten hat und nachts dann nicht dauernd pinkeln muss.

Willst Du dein Bad ganz dicht an deinem Bett, dann musst Du darauf achten, dass die Ausschreibung "ensuite" lautet.

Steht weder das eine noch das andere dabei, liegt vielleicht gerade der Gastgeber in der Wanne wenn Du mal musst. Na ja, das ist jetzt überspitzt und kommt nicht mehr häufig vor, aber Vorsicht ist bekanntermaßen die Mutter der Porzellankiste.



Vielleicht hast Du aber ein Waschbecken im Zimmer und genießt bei zwei altmodischen, mir in der Konstruktion immer noch unverständlichen Wasserhähnen die eine Seite kochend heiß, die andere eiskalt und versuchst, unter so manchem Schmerzensschrei ein erträglich warmes Gemisch zum waschen herzustellen.

Das war jetzt ein verschachtelter Satz, aber wenn Du bis hierher noch nicht aufgegeben hast, dann hast Du auch kein Problem mit langen Sätzen.

Lege Dich dann endlich in Dein schottisches Bettchen zu einer angenehmen Nacht und lade Dein Handy für morgen auf. Dein Stecker passt nicht? Zu dumm, Du brauchst einen Adapter mit drei Polen, nicht vergessen. Das ist quasi der Reisepass für Steckdosen.

Zudem schaltest Du bitte die Steckdose vorher auch ein, sonst war´s das am nächsten Tag mit den schönen Handyfotos.

 

Nun hast Du so einiges gehört, was es an Übernachtungs-Tücken in Schottland gibt, aber natürlich auch, dass es eine Vielzahl schöner Ferienhäuser gibt, und wenn Du noch ein bisschen tiefer in Dein Portemonnaie hinein rufst und es nicht "Hilfe" schreit, dann kannst Du auch richtig schöne Hotels finden. Vorausgesetzt, Du bist nicht zu spät dran.


Ach ja, das wäre schön, wenn man mal in einem Schloss wohnen könnte. Das geht natürlich in Schottland, ist komfortabel, aber auch nicht immer qualitativ die Luxusvariante, dafür aber bestimmt mit Schlossgespenst und aristokratischem Feeling.

Viele Anwesen, gräfliche, herzögliche und royale, bieten Dir die Möglichkeit, auf deren Gelände ein Cottage oder eine Lodge zu buchen. Oder einen Stellplatz für Dein Wohnmobil. So zum Beispiel Blair Castle in Perthshire oder auch Balmoral Castle in der Royal Deeside.

Das wäre doch mal ein ganz besonderes Ambiente. Du zahlst z.B. für ein Cottage auf dem Balmoral Estate je nach Saisonzeit zwischen GBP 860,- und 2280,- pro Woche. Und zum Thema "früh buchen" schau doch einfach mal auf die Seite vom Balmoral Estate, um herauszufinden, dass die meisten Cottages dort bereits bis einschließlich November 2024 ausgebucht sind.



Nun hast Du bis zum Ende durchgehalten und natürlich gehofft, ich nenne hier auch Namen von Unterkünften. Nein, das wirst Du nicht erleben, denn dazu sind Reisende und Geschmäcker einfach zu verschieden. Was ich mag, muss Dir nicht automatisch auch gefallen (aber schön wär´s schon). Ich muss mit Dir sprechen und wissen, was für dich "schön" bedeutet, dann findet sich auch das Richtige.

Wenn Du bei uns in der Nähe wohnst, verschaffen wir Dir schon bei der Beratung britische Atmosphäre. Vielleicht sehen wir uns mal.

Da war sie wieder.... die Werbung.






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