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Meine Gebrauchsanweisung für Schottlandreisen(de)

Teil 5 - Das musst Du sehen! Musst Du nicht! Doch! - Das Dilemma mit den "musst sees"

 

Du warst in Schottland und hast Loch Ness nicht gesehen? Das kann doch wohl nicht wahr sein! Also im Ernst, dann hättest Du dir die ganze Reise doch sparen können.

Könnte das ein Satz sein, den Du von Freunden schon einmal gehört hast? Er ist übrigens auch beliebig anwendbar auf andere Reiseziele.

Norwegen ohne Geirangerfjord.... geht gar nicht. Paris ohne Champs Elysées.... London ohne Wachablösung am Buckingham Palast. Alles absolut undenkbar. Es kommt ja schließlich nicht auf Deine persönlichen Wünsche und Vorstellungen an! Wo kämen wir denn da hin?


Und da es beim Reisen eben doch um eigene Vorstellungen geht, verrate ich Dir jetzt meine persönlichen "must sees" und wie ich bestimmte Orte empfunden habe, die ich besuchen durfte.

Achtung, es wird jetzt mega subjektiv und vielleicht auch ein bisschen gemein, denn wenn sich jemand in eine Idee verliebt und mir zum Beispiel das überhaupt nicht gefallen hat, dann könnte die Enttäuschung groß sein. Schlimmer noch, Du könntest vielleicht nach dem ersten oder zweiten Abschnitt aufhören zu lesen.

Also, anschnallen und los geht´s.



An meine erste Schottlandreise kann ich mich nicht mehr erinnern, aber wahrscheinlich beinhaltete diese Reise Edinburgh, Inverness, Loch Ness, Fort William und die Isle of Skye. Und deswegen kann ich auch jeden verstehen, der sich mit der Buchung einer Individualreise an mich wendet und ohne Luft zu holen genau diese Punkte in einer Reihe ausspuckt. Mehr noch, er/sie braucht sie gar nicht zu nennen... Ich weiß es auch so, frage aber natürlich dennoch sicherheitshalber, was im Schottland-Wunsch-Kopf herumgeistert.

Die oben genannten Big Five stehen in allen klassischen Reiseführern als unbedingt sehenswert und wollen natürlich in die Reise eingebaut werden, das kann man nur allzu gut verstehen.

Ich denke, bei Edinburgh brauchen wir gar nicht lange diskutieren, die Stadt steht in der Rangliste der schönsten Städte der Welt ganz oben. Da kann mein Mann z.B. tausendmal sagen, dass ihm Glasgow besser gefallen hat. Ist der verrückt? Das kann ich nicht gelten lassen. Edinburgh ist für mich der Inbegriff der Schönheit, die Old Town ein Häuser-Faszinario der Extraklasse, die New Town ein städteplanerisches Meisterwerk, einmal abgesehen von den Bausünden an der Princes Street, die aber nicht vom ursprünglichen Architekten so vorgesehen waren.



Glasgow im Gegenzug kann ich leider nicht soviel abgewinnen, daran konnte noch nicht einmal das Dudelsack-Museum etwas ändern, wo ich mich mit einigen Mitreisenden redlich abgemüht habe, aus dem Chanter einen Quietschton herauszubekommen, geschweige denn, die Bordunpfeifen und Co. überhaupt auf der Schulter halten zu können. Dann noch den Sack einquetschen, du meine Güte. Seitdem habe ich noch mehr Respekt vor den Pipern, die man nicht hoch genug verehren kann.

Zugegeben, die Buchanan Street hat mehr "normale" Geschäfte und lädt sicherlich eher zum vernünftigen Shoppen ein als die George Street in Edinburgh, wo ein prominentes Geschäft neben dem nächsten steht, oder aber als die Royal Mile, auf der ein Tartan-, Harris-Tweed- und Nessiegeschäft das nächste jagt.

Aber es springt bei mir der Funke nicht über und ich kann mich nicht gut dort orientieren, weil alles (für mich) Sehenswerte so weit auseinander liegt. Mit Brücken über den Fluss Clyde, die squinty sind, die moderne Skulptur eines uralten Heiligen, die Blob heißt, oder ein Auditorium, das aussieht wie ein Gürteltier, all das reißt mich nicht vom Hocker. Glasgow hat für mich den blassen Charme einer Arbeiterstadt. Aus einer solchen komme ich übrigens auch, und auch sie reißt mich nicht vom Hocker, nur um hier Gerechtigkeit walten zu lassen.

 

Sprechen wir über die Highlands. Prinzipiell beginnen Sie nördlich von Edinburgh, sind jedoch dort noch nicht so high wie man sich das vorstellt. Grundsätzlich sind sie ohnehin keine Alpen, sondern erreichen mit dem Ben Nevis als höchstem Gipfel gerade 1345 m.

Eben dieser höchte Gipfel liegt in der Nähe von Fort William. Obwohl, wenn ich es mir recht überlege, liegt Fort William beim Ben Nevis. Oder war es doch umgekehrt?

Als Ausgangsbasis für Ausflüge in die reizvolle Umgebung ist Fort William sicherlich gut geeignet, doch den Preis für Schönheit gewinnt es bei mir nicht. Es wohnt sich besser etwas außerhalb oder "hinter" dem Ort, also mehr zum Glen Nevis hin, denn in Ortsnähe ziehen sich am Loch Linnhe doch einige, u.a. Kettenhotels entlang, die nicht sehr prickelnd bewertet sind, zumeist recht abgewohnt und tatsächlich von vielen Busgruppen gebucht werden. Im Leben würde mir nicht einfallen, eine Busgruppe von mir dort unterzubringen, um dann in einem riesigen Saal mit drei anderen Gruppen in irrsinniger Lautstärke zu Abend zu essen. Und das noch nicht einmal zu einer Zeit, die ICH aussuche, sondern das Hotel, wo ich mich mit meinen Gästen dann fügen muss.

Aber Du kannst halt viele schöne Sehenswürdigkeiten und Landstriche leicht erreichen. Dazu gehören Glenfinnan, wo natürlich jeder Harry-Potter-Fan hin möchte, um entweder den Jacobite Steam Train, sorry, ich meinte natürlich den Hogwarts Express über die Brücke dampfen zu sehen, oder aber die Strecke bis Mallaig an der Küste in diesem Zug zurückzulegen.

Wanderer finden hier mittelschwere bis schwere Strecken, ab 1,5 bis 8 Stunden Richtung Ben Nevis und Glen Nevis. Kleine Übersetzung schottischer Wörter nebenbei: "Ben" ist das schottische Wort für "Berg" und "Glen" für "Tal".



Das Foto oben entstand übrigens nicht im Glen Nevis, sondern im Glen Clova, im östlichen Schottland. Mit einer alten Handykamera aufgenommen ist es etwas unscharf, wirkt aber irgendwie ein wenig wie gemalt.

Ich war im Glen Clova in einem November und absolut begeistert. Eine leichte Schneedecke gab es schon in den höheren Lagen und die Farben waren einmalig schön. Man kann hier keine Runde fahren, sondern fährt ins Tal bis zum Ende und wieder raus. Ab dem Parkplatz ganz am Ende geht man zu Fuß weiter und kommt in das Naturreservat Corrie Fee. Mit Corrie bezeichnet man einen Eintiefung an Berghängen, die von kurzen Gletschern ausgeschürft wurden.

Ich weiß nicht, wie es hier im Sommer aussieht, denn ich bevorzuge die absolute Nebensaison. Es ist ja gern mal die Rede davon, wie schrecklich eine Landschaft ist, wenn so furchtbar viele Touristen dort sind. Man ist nur jeweils selbst einer davon, und es kann nicht sein, dass man einen Landstrich exklusiv für sich beansprucht. Aber dass einem andere die schöne Aussicht einfach weggucken, das geht natürlich gar nicht!

Da steht dann vielleicht jemand neben Dir und nimmt Dir diesen schönen Moment weg, nur weil er einfach da steht. So wie Du.

Einerseits möchte man auf einer Reise mit Menschen zusammenkommen, vorzugsweise Einheimischen, was man als schön empfindet, aber wenn diese Menschen dann Touristen sind, ist es einfach nicht auszuhalten :-).

Es sollen tatsächlich auch Schotten und andere Briten unter den anderen Touristen sein, wahrscheinlich sogar in der Mehrzahl, wenn man den Angaben des Verkehrsamtes Glauben schenken darf.

Schlimmer noch ist es, wenn eben jener Tourist neben Dir auch noch den Moment vollends zerstört, indem er Vergleiche zieht und feststellt, dass die Aussicht vom "Ben-Irgendwo" noch viel, viel schöner ist. Damit soll Dir mitgeteilt werden, dass Du ja überhaupt noch nicht so viel Schönes gesehen hast, wie Dein "Mitgucker".



Muss mann denn eigentlich überhaupt in die ganz nördlichen Highlands, um echtes Highland-Feeling zu bekommen? Nun ja, irgendwann solltest Du dir das schon einmal vornehmen, denn oberhalb der gedanklichen Linie zwischen der Isle of Skye und Aberdeen, vorzugsweise auf der mittleren bis westlichen Seite, wird es schon nochmal ganz anders als südlich davon. Es wird vor allem wesentlich einsamer. Hier bist Du der tragischen Historie Schottlands wieder ganz nah, wenn Du dir vorstellst, wie es gewesen sein mag als die Engländer die Hochlandbewohner einfach verdrängten, ihre Häuser zerstörten und ihnen entweder einen Landstrich an der Küste oder gleich komplett das Auswandern nahe legten.

Als Bauer umzusatteln auf Fischer ist sicherlich nicht leicht gemacht, und die Lebensgrundlage ist einem unter den Füßen weggezogen. Schafe waren halt lukrativer, und deswegen herrscht auch heute hier noch so viel Leere.

Die Berge sind zwar nicht höher, aber irgendwie schroffer, manchmal "zipfeliger", das ist schwer zu beschreiben, Du musst halt einfach mal hin. Man erkennt schon sofort auf einer Googlemap in der Satellitenansicht, dass hier Stein vorherrscht und die Grünstreifen in den Tälern immer schmaler werden. Da mag halt heute auch nicht unbedingt jemand hinziehen.

Es ist also schon atemberaubend schön und für mich ein absolutes "Muss", jedoch ist die Frage, ob das gleich bei der esten Schottlandreise sein muss. Die meisten nehmen sich doch zunächst eine Woche vor, vielleicht zehn Tage, und wenn es gut läuft, sogar zwei Wochen. Auch die sind meiner Meinung nach aber zu kurz, um vom Süden bis zum Norden alles mitzunehmen. Man riskiert dabei, vollends verrückt zu werden, weil man all die Eindrücke in so kurzer Zeit gar nicht verpacken kann.



Auch die äußerste Nordküste hat mich sehr fasziniert. Du siehst Strände, die Du hier oben niemals vermuten würdest, wie z.B. Dunnet Bay, wo man übrigens einen tollen Campingplatz direkt am Meer hat, Farr Bay, oder Durness Beach. Eine Besonderheit ist für mich auch Balnakeil Beach, wo ein Friedhof direkt am Meer liegt. Schottische Friedhöfe finde ich sehr besonders, denn man sieht nicht alle Tage solche alten Grabsteine und vor allem nicht mit Blick aufs Meer. Irgendwas hat das....

 

Nicht nur zum Thema "schottische Friedhöfe" fällt mir Stirling ein. Nach Edinburgh ist es meine Lieblingsstadt. Die Häuser sind faszinierend und präsentieren sich in schönen Sandsteinschattierungen. Manche sehen festungsmässig aus, manche verspielt. Es geht steil nach oben bis zum Stirling Castle, was mich nicht so sehr begeistert wie Edinburgh Castle, obwohl seine historische Bedeutung natürlich nicht unterschätzt werden sollte. Immerhin finden sich nicht mehr viele royale Bauten, die diese besondere gelbe Farbe haben, eine königliche Farbe, Zeichen einer königlichen Residenz.

Die Aussicht vom Burgberg ist beeindruckend, und auch hier hilft meines Erachtens, wenn man vorab ein wenig schottische Geschichte an sich heran gelassen hat. Immerhin kann man dann den Ausblick auf das Wallace Monument und die Old Stirling Bridge besser einordnen. Aber natürlich schadet es auch nicht, einfach unwissend das Panorama zu genießen.



Nach vielen Jahren habe ich es in 2022 endlich geschafft, auf das Wallace Monument zu klettern. Das war für mich schon eine Herausforderung. Oben angekommen hatte ich keine Puste mehr, dafür aber den Kopf voller Locken. Es war echt windig dort. Der Weg hinauf ist allerdings auch so eine Art Lehrpfad, denn in jeder Etage bekommt man eine kleine Dosis an geschichtlichen Ereignissen, optisch und filmisch sehr schön aufbereitet.

 

Wo wir also gerade in Stirlingshire sind. Hier und auch in den angrenzenden traditionellen Grafschaften Perthshire und Argyll finde ich einfach alles gut.

Der Outlander-Fan kommt auf seine Kosten, z.B. mit Doune Castle. Das hat kein Dach mehr, und ich war doch sehr enttäuscht darüber, wo doch Colum MacKenzie es in der Serie dort immer so gemütlich hatte und Claire in Ruhe ihre Kräuter mischen konnte. Da die zum Teil pulverisiert verabreicht wurden, mussten sie ja wohl trocken sein. Also da stimmt doch was gewaltig nicht, was man uns da im Film vorspielt. Fakt ist: Hier regnet es rein.

Es gibt so viele schöne Seen in diesen Regionen, und in Argyll kommt halt auch noch das Meer hinzu. Loch Tay gehört zu meinen Lieblingsseen. Er ist ideal für Familien, die ihren Kindern, die keine Lust haben zu wandern oder einfach noch zu klein dafür sind, viele Aktivitäten bieten. Es ist hier vielleicht für den einen oder die andere schon wieder zu touristisch, aber hallo! Es ist schön! Du hast Burgen, Gärten und kleine Orte, den wundershönen Fluss Tay, Whiskydestillen und Wanderwege.



Noch ein bisschen Outlander hast Du in Drummond Castle and Gardens. Lord Drummond war es übrigens einst, der Queen Victoria auf ihrer Reise durch Schottland das Anwesen Balmoral verkauft hat.

Die Gegend um Balmoral Castle heißt Royal Deeside, benannt nach dem Fluss Dee, der sich dort recht romantisch durchs Gelände schleicht. Wie sollte es anders sein, das Gelände ist riesig, waldreich, es wachsen Rehe und Hirsche wie Pilze aus dem Boden und ziehen majestätisch über selbigen. Ein Kunde versuchte letztens, mir vergeblich zu erklären, was der Unterschied zwischen Damwild und Rotwild ist. Ich habe es abgenickt, aber leider wieder vergessen. Rehe und Hirsche halt, das muss genügen.

Dennoch hat mich Schloss Balmoral selbst nicht zu Jubelschreien hingerissen, wie es wohl die weibliche Entourage Victorias zu pflegen tat. Man darf auch neben dem Souvenirshop und dem Scheunencafé nur eine Halle von innen betreten. Dort sind dann ein paar Ritterrüstungen und Schilder aufgestellt, die die Geschichte erzählen.

Aber hey, es ist genug jetzt mit Geschichte. Du bist auf Deiner Reise hierher nun schon bis obenhin damit angefüllt, da wird es schwierig, sie einfach nur noch von diesen Schildern abzulesen. Mir war das etwas zu langweilig.

Am Rande sei erwähnt, dass mir der Landsitz von König Charles, Highgrove, viel besser gefallen hat. Auch dort darf man nicht in Gemächer, aber die Gärten sind der absolute Hammer. Englandreisen, die das beinhalten, organisiere ich übrigens auch (Werbeblock "over and out").



Aber man war halt mal dort wo auch die Royals urlauben. Und wo sie in die Kirche gehen, die Crathie Kirk, die ich sehr niedlich finde, so vollgestopft mit royalen Wappen und Büsten wie sie ist. Prince Charles hat hier Camilla geheiratet, unter den ehrwürdigen steinernen Augen von Victoria, George V, George VI und Queen Mum und allen noch lauffähigen lebenden Royals.

Von den Royals ist es nur ein kleiner Schritt bis zum Herzog, dem nächst ranghohen Adeligen im Lande. Übrigens eine in meinen Augen furchtbar rückständige traditionelle Bande von Aristokraten, die es noch nicht einmal zulässt, dass eine Tochter den Titel erben kann. Der geht nur an männliche Nachkommen. Sogar die Königsdynastie lässt Frauen im eigenen Recht auf den Thron, aber die Herzogswelt schafft das nicht.

Schöne Geschichten gibt es über diese Stufe der Rangleiter zu erzählen, doch dazu empfehle ich Dir, mit mir einmal mitzureisen (Das war der Werbeblock!).

Nicht jeder Herzog lebt noch in Schottland. Der Duke of Atholl lebt beispielsweise in Südafrika und überlässt sein Schloss, Blair Castle, den Touristenströmen. Die werden hier durch Vorreservierungen in geordnete, wohl dosierte Bahnen gelenkt, und dennoch gefällt mir das Schloss ausgesprochen gut und kommt auf meine Must-See-Liste.



Es ist weiß getüncht, strahlt die für Schottland typische Mischung aus Verteidigungsburg mit dem Zierrat einer Wohnstätte aus. Baronial Style nennt sich das. Man hat Zinnen, braucht sie aber nicht mehr, um von dort aus Feinde abzuschießen. Bedrohlich wirkende Festungsmauern werden um Türmchen und Erkerchen ergänzt, die einen wohnlichen Charakter ausstrahlen sollen. Klappt auch, nur den 12. Duke of Atholl, Bruce, hält das auch nicht hier. Seine Privatarmee ist aber immer noch da, und er inspiziert sie einmal im Jahr. Diese wurde als Leibwache ins Leben gerufen als niemand anderes als Queen Victoria zu Besuch kam, auf der Suche nach einem geeigneten Sommerhäuschen in Schottland. Sie kam mit nur einer bescheidenen Entourage von etwa 100 Personen. Na dann geht´s ja, die kann man doch leichtestens bewältigen. Ein kleiner Kreis quasi. Dennoch hat sich früher so manche Herzogs- oder Grafenfamilie in die Pleite gestürzt, nur weil man den Monarchen standesgemäss bewirten wollte oder musste. Möglicherweise also war die Freude gar nicht so groß, wenn es hieß: "Ihre Majestät beehrt Euch mit ihrer Anwesenheit. Wir kommen zum Mittagessen, Dinner und Frühstück." All inclusive sozusagen.

Kurz bevor Du auf dem Weg nach Norden Blair Castle erreichst, kommst Du durch Pitlochry, ein hübsches Highland-Städtchen, in das sich allerdings auch ein wenig mehr als zehn Touristen verirren. Dennoch steht es auf meiner Liste der besuchenswerten Orte. Ich mag´s einfach (und sie haben einen Busparkplatz, juchuh!).

Man darf nicht vergessen, dass man unterwegs auch mal einen Ort braucht, in dem man seine Vorräte aufstockt. An Lebensmitteln für das Ferienhaus und dem Notwendigsten zum Überleben wie Whisky, Irn Bru, Scones, Servietten mit schottischen Motiven, Platzteller, die du unbedingt noch brauchst, auch wenn Du schon 5 andere hast, Shortbread, CDs mit schottischer Musik, einen karierten Schal, Schmuck mit keltischem Muster...... Nicht zu vergessen ein Kissen mit Hochlandrindmotiv. Man weiß ja nie, ob die Kissen im Hotelzimmer auch wirklich gut sind. Ich sagte ja, das Notwendigste halt...

Fährst Du dann weiter nach Norden, kommst Du durch den Cairngorm Nationalpark. Hier findest Du die zentralen Orte Aviemore oder Newtonmore. In Aviemore ist vieles einfach so dahingezimmert, weil man viele Touristen unterbringen muss. Dennoch ist die Hotellerie dort in Ordnung bis sehr gut und als Ausgangsbasis für die wundervolle Umgebung absolut passend. Als heimeligen, durch und durch hübschen Highland-Ort empfinde ich ihn aber nicht. Das Highland Folk Museum bei Kingussie solltest Du dann gleich mitnehmen. Und wenn Du es in deinem Garten nicht unterkriegst, stelle ein paar der Häuser bei Deinem Nachbarn auf. Sorry, jetzt habe ich das Wort "mitnehmen" zu wörtlich genommen.

Mir gefällt persönlich die Ostseite der Cairngorms besser, z.B. rund um Ballater. Es ist hier gefühlt noch etwas waldreicher und die Luft natürlich deutlich royaler.



Weiter nach Norden reisend kommst Du dann nach Inverness. Und jetzt wird es schwierig für mich, denn Inverness mag ich überhaupt nicht. Oder ok, sagen wir, das südliche Flussufer kann noch mithalten, dort wo die St. Andrews Kathedrale steht. Und rings um sie herum zumindest im Sommer gefühlt 100 Busse, die Kreuzfahrtgäste in diese Stadt bringen. Ich bin nunmal ein Busreisefan und veranstalte solche auch selbst (Sorry, wieder Werbeblock!), aber die Masse an Fahrzeugen hat selbst mich staunend zurückgelassen. Das ist schon heftig. Und ich verstehe einfach nicht, warum alle dort hin wollen. Die Stadt ist zum größten Teil modern, hat eine relativ neue Burg, die auch nicht besichtigt werden kann, natürlich eine Woolen Mill, in der man Kilts, Mützen, Schals und alles Karierte kaufen kann, Whiskyshops und für meinen Gschmack sehr viel Leerstand bei den Geschäften, was sehr trist aussieht. Aber das ist natürlich das Schicksal so mancher Innenstadt heute, nicht nur in Schottland.

Und ein Spaziergang über die netten Ness-Inseln ist mir die Einfahrt in die Stadt, was zu einem ganz schönen Gewühle werden kann, einfach nicht wert.

Das Umfeld ist es wieder, das Dich zum dort wohnen verleitet. Clava Cairns ist in der Nähe, eine prähistorische Grabstätte mit standing stones. In der Nachsaison war ich dort ganz allein, das war sehr mystisch. Das Culloden Battlefield ist ebenfalls um die Ecke, doch lohnt sich meiner Meinung nach das Eintrittsgeld mehr, wenn man mit der schottischen Geschichte dahinter vertraut ist. Für Ausländer eher weniger, denn ich meine, man muss schon eine verwandtschaftliche, clan-mäßige oder Vorfahren lastige Verbindung zu den Geschehnissen des Jahres 1746 haben, um sein Herz schmerzend klopfen zu hören. Oder aber man ist Fan der Serie Outlander, dann kann man es einordnen. Es ist ein großes Feld mit verstreut stehenden kleinen Gedenksteinen für die jeweils im Kampf beteiligten und gefallenen Clans. Dazu ein Cottage mit Reetdach, das ganz einsam und allein auf weiter Flur veranschaulicht, wie damals die Häuser aussahen. Das moderne Besucherzentrum und der Weg dorthin haben von ihrer Form her eine symbolische Bedeutung, die sich einem dann erschließt, wenn man sich etwas vorgebildet hat.

Fazit für mich: Keine oberste Priorität. Ich war dort, kenne die Geschichte genau, bin aber mehr an den mittelalterlichen Geschehnissen interessiert. Entscheide Du - natürlich - selbst. Das folgende Bild zeigt Dir zumindest, wie schön ein Landspaziergang an einem sonnigen Tag sein kann. Das Foto stammt übrigens aus einem Februar.



Dann ist da noch Loch Ness. Du kommst da jetzt aber sicher nicht wegen Nessie her? Sie ist gerade nicht zu Hause. Wahrscheinlich ist sie ohnehin vor dem Brexit ausgesiedelt. Es gibt so viele Lochs (Seen) in Schottland, die traumhaft(er) sind. Beeindruckend ist Loch Ness für mich aus geologischer Sicht, denn hier zieht sich das Great Glen durch, die tektonische Verwerfung. die seismisch noch aktiv ist. In jedem Jahrhundert hat es bislang immer einige Erdbeben gegeben. War im 21. Jahrhundert eigentlich schon eines? Dann hätten wir das durch. Das Tal zerschneidet fast Schottland in nordöstlich-südwestlicher Richtung.

 

Ganz viele schottische Gebiete und damit sicherlich auch absolute Must sees habe ich hier bestimmt noch vergessen, aber schau mal wie lang dieser Text ist. Ein kräftiges Cheers auf Dich, wenn Du bis hierher durchgehalten hast.

Ich möchte zum Abschluss nur noch auf zwei Regionen eingehen. Eine davon mag ich sehr, sie gehört zu meinen Favoriten-Must-Sees, die andere ist zwar schön, gehört aber nicht unbedingt dazu.

Ich spreche vom Kingdom of Fife, Schottlands Obst-, Gemüse- und Outlander-Filmlocations-Schatzkammer Schottlands, nördlich von Edinburgh. Hier findest Du mit dem kleinen Örtchen Falkland den Anfang vom Anfang. Hier steht im Film der Held Jamie Fraser am Brunnen und blickt in das Hotelzimmer, in dem seine große Liebe Claire gerade von der Besitzerin die Zukunft (oder Vergangenheit) aus dem Kaffeesatz gelesen bekommen hatte. Bei äußerst ungemütlichem schottischen Wetter beweist er hier, wie warm und schonend ein Kilt sein kann.

Falkland Palace dominiert den hübschen kleinen Ort und muss von mir nicht noch einmal besichtigt werden (der Ort selbst aber immer wieder gern), was aber mein persönliches Ding ist, denn ich habe in meinem Leben so viele Schlösser und Burgen besichtigt, dass ich genau weiß, was hinter der nächsten Tür lauert: Eine Wand voller Hirschgeweihe, ein ziemlich kurzes Bett (die Menschen waren kleiner als heute), hoch, damit einerseits das Ungeziefer es nicht zu leicht hatte, die Matratze für sich zu erobern und damit andererseits der Diener auch seine Pritsche darunter verstauen konnte. Es war nicht ungewöhnlich, dass dieser bei seiner Lordschaft im Zimmer schlief, damit auch beim leisesten adeligen Hüsteln sofort gehandelt werden konnte.

St Andrews ist wunderschön, das fanden schon William und Kate, die hier studierten. Es gibt einen tollen Kiltmaker und den für mich ultimativ guten Backshop. Und die Strände, die unglaublich sind. Sie ziehen sich hin bis in das Naturschutzgebiet Tentsmuir, das mir seinerzeit von meiner alten schottischen Freundin als fantastisches Spazierrevier mit Hund angepriesen wurde. Mein Hund fand das so toll, dass er sofort dem erst besten Jogger folgte, weil der einfach lustiger am Strand entlang lief als ich.



Zwei spannende Whiskydestillen runden den Besuch in Fife ab, das Team des Hill of Tarvit Mansion House macht wirklich tolle Führungen, und Du kannst hier Hickory Golf spielen. Dazu brauchst Du nur ein paar altmodische Knickerbocker, eine Schlägermütze, altmodische Golfschläger und, na ja, vielleicht ein kleines Handycap. Dann geht es ab auf die Wiese zum Einlochen und dabei ziemlich witzig aussehend.

 

Und was ist mit der Isle of Skye? Sie gefällt mir durchaus, aber da ich alles was sie bietet auch im restlichen Schottland genauso finde, muss ich dort nicht die teuren Unterkünfte zahlen und eben sehr wahrscheinlich ganz vielen anderen davon etwas abgeben was ich gerade bestaune. Whiskydestille am Meer. Gibt´s auf Islay auch. Diese Insel finde ich übrigens klasse, man kommt nur nicht zu allen Jahreszeiten verlässlich dort hin, weil schonmal die eine oder andere Fähre ausfällt. Ich brauchte drei Anläufe, um endlich dort anzulanden.

Interessante Felsformationen. Gibt es auch an der Nordküste, zum Beispiel mit den Duncansby Stacks. Fairy Pools, darunter hatte ich mir Großartiges vorgestellt, doch sind es Wasserläufe mit Wasserfällen, die ich woanders ähnlich finde. Ob ich mir nun vorgestellt habe, dass dort die Märchen-Elfen herumtanzen, ich weiß es einfach nicht.

Burgen gibt es in Schottland quasi an jeder Ecke, daher muss ich dafür nicht nach Skye. Der Hauptort Portree hat eine schöne Zeile mit pastellfarbenen Häusern am Wasser. Das kannst Du mindestens genauso schön in South Queensferry sehen.



Sligachan in der Inselmitte hat bei der alten Brücke ein wirklich tolles Panorama. Wie viel Panorama möchtest Du denn noch? Du hast es auf Deiner Reise alle paar Meilen auch auf dem schottischen Festland zur Genüge.

Mein Fazit zu Skye ist also: Es ist schön, aber wenn ich nicht so viel Zeit für Schottland habe, dann würde ich nicht bis dort hinauf fahren, nur weil ich meine, mir entginge sonst etwas.

 

Das war jetzt also einmal ein riesiger Rundumschlag, der alles andere als Vollständigkeit für sich beansprucht. Dieses ist ja schließlich kein Reiseführer.

Apropos Reiseführer. Buche nach Möglichkeit, vor allem wenn Du Schottland-Neuling bist, eine Tour mit Reiseführer. Du hast dadurch so viel mehr von Deinem Aufenthalt.

Und in Edinburgh buche Deinen Stadtspaziergang bei Melli´s Schottlandabenteuer. Das ist Dein ganz privater Podcast in Echtzeit mit Live-Bildern.

Verzichte nicht auf dieses Must-Do.

Im Foto unten siehst Du die lustigen Schafe von Midhope. Sie sind auch happy, in einer Gruppe zu sein. Es macht einfach Spaß. Denk einfach mal drüber nach.















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