TROMSØ - WIE T(R)OLL IST DAS DENN?
- Gabi Quiatek

- vor 2 Tagen
- 8 Min. Lesezeit
Ein kleines Wintermärchen in mehreren Teilen
Teil 1: Nordische Schuhschachtel und der Kauf eines Restaurants

Schon der Anflug auf Tromsø, ach, was sage ich, der ganze Flug über Norwegen ist ein Erlebnis. Unter mir eine Schneelandschaft mit Bergen und zugefrorenen Seen. Hier und da erkennt man eine Straße, die sich durch ein Tal schlängelt. Sie wird wohl zwei Orte verbinden, aber man sieht keine. Es ist alles unwahrscheinlich einsam. Da der Flug nachmittags geht, dämmert es schon, und selbst dann sieht man kein erleuchtetes Haus. Also entweder ist niemand zu Hause, oder da wohnt einfach keiner. Norwegen, speziell der Norden, ist allerdings auch schwach besiedelt, und diese Einsamkeit ist es auch, die viele Touristen anzieht.

Der Pilot informiert, dass wir uns gerade über Trondheim befinden, das sind immer noch gut tausend Kilometer bis Tromsø. Die Stadt mit ca. 75.000 Einwohnern liegt immerhin nördlich des Polarkreises. Da haben wir also eine Menschenansammlung im hohen Norden, hier gibt es alles was man braucht.
Selbst wenn der Pilot jetzt sagen würde, wir drehen um, könnte ich wiederum sagen, dass ich schon eine Menge Schönes gesehen habe, aber natürlich will ich nicht auf Tromsø und seine Umgebung verzichten. Will aber damit kundtun, dass die Anreise schon das erste Highlight auf meiner Kurztour ist.
Auf einem 3-Stunden-Flug gibt es auch etwas zu Essen, gegen Aufpreis natürlich, doch ich habe mir vorgenommen, in Tromsø zu speisen und bestelle lediglich ein Wasser. Die Flasche geht verflixt schwer auf, und ich überlege einen kurzen Moment, ob ich den netten Steward bitte, sie mir aufzudrehen, so wie es mich einige meiner finger-schwachen Kundinnen im Bus oft fragen. Aber der Ehrgeiz siegt. Immerhin hat bislang noch jede Flasche vor mir kapituliert, und auch wenn ich selbst schon im etwas erhabeneren Alter bin und die Kräfte schwinden….. Ich frag den nicht!

Kurz vor Tromsø sieht man dann doch Lichter, in einer langen Reihe, aber anders als helle Strassenlaternen. Es müssen Häuser entlang dem Meer oder Fjord sein, und sie wirken merkwürdig, so seicht, irgendwie gedimmt, als hätte man ein dünnes Seidentuch über die Häuser gelegt. Es sieht magisch aus.
Dann kommt eine massive Lichtquelle, Anflug auf Tromsø!
Es liegt auf mehreren Inseln, das ist sehr spannend. Auf geht‘s ins kurze, aber intensive Winterabenteuer.

Zur Innenstadt geht es mit dem Airport Express, der ein bis zweimal die Stunde fährt und nicht mehr als 20 Minuten braucht. In der Innenstadt werden verschiedene Haltepunkte angefahren, wobei der Busfahrer freundlicherweise jeweils ansagt, welche Hotels in der Nähe liegen.
Um selbst bei einer so kurzen Reise möglichst viele wichtige Infos zu sammeln, wohne ich die erste Nacht im Quality Saga Hotel und danach im Thon Hotel Tromsø. In der APP „Reisebüro Quiatek“ kannst Du bald meine detaillierten Eindrücke und Bewertungen nachlesen, doch vorweg gesagt: Daumen hoch für das Thon Hotel mit seinen 3 Sternen und den Daumen ganz weit runter für das Quality Saga mit 4 Sternen.
Ja, Norwegen ist teuer, das dürfte jedem bekannt sein, und wenn nicht, so weisst Du es nach diesem Blogpost. Die Zimmer im Quality Saga sind eine Schuhschachtel und vollkommen überbezahlt!

Ich bin angekommen, es ist 18:30 Uhr, das Gepäck ist abgestellt. Es passt soeben noch in diese Schuhschachtel. Der Kulturbeutel heult, weil er im Bad keinen Platz findet und deswegen wie auf der Hinreise weiterhin zwischen Regencape und Fotokamera eingequetscht verweilen muß. Der Schlafanzug genießt seine Freiheit und darf ins Bett, die Badelatschen rutschen unters Bett, damit sie das Drama nicht mitkriegen. Pullis, Socken und Schlüpfer sind es bei mir eh gewohnt, dass sie nie aus dem Koffer aussteigen dürfen und somit von meinen vielen Reisen einfach so gar nicht profitieren.

Ich schaue mich in der Stadt um und will als erstes die Magic Ice Bar erleben, doch es kommt schon ein Hüngerchen dazwischen. Da ein Besuch der Ice Bar einen sogenannten Signature Drink enthält und ich nicht weiss, ob der alkoholisch ist, will ich lieber erst eine Grundlage schaffen, damit ich nicht gleich zu Anfang auf die schneebedeckten Strassen falle.
Man muss schon etwas aufpassen, denn es ist nicht überall komplett geräumt. Es gibt immer hier und da festgetretene Schneeflächen, die manchmal rutschig sind, wenn man auch sporadisch ein wenig Schotter darunter gemischt hat.
Ich begebe mich in das Lokal „Egon“, das mir empfohlen wurde. Es ist sehr gemütlich hier, viel Holz überall und erinnert mich an eine Berghütte.
Dem Norwegen-Reisenden sei an dieser Stelle allerdings die Illusion genommen, jede Stadt hier sähe aus wie Bullerbü. Ja, das ist Schweden, ich weiss, aber mir fällt gerade kein norwegischer Vergleich ein.
Die größeren Städte, so auch Tromsø, haben viele moderne Hochhäuser und eine Machart, die selbstverständlich dem Wetter angepasst ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass Beton einfach besser geeignet ist als nur Holz. Es fliegt halt im Wind nicht ganz so schnell weg….
Doch Spaß beiseite, es gibt sie natürlich, diese wunderbaren Bilderbuchhäuser in rot, creme, weiß und einem angenehmen grün-blau, das ich zu meiner Lieblingshausfarbe erklären möchte. Wenn da Schnee drauf liegt, unberührt-weiss, das ist ein Traum! Da möchtest Du einfach Dein Wohnzimmer draussen haben und immer auf die Fassade starren.

Wenn es nur nicht so kalt wäre. Heute sind tatsächlich frühlingshafte 2 Grad angezeigt, obwohl es sich wie mindestens minus 5 anfühlt. Aber es fühlt sich gut an.
Ich sitze also bei Egon und stelle mich dem norwegischen Fortschritt. Alles ist digital, doch ich liebe das ja, kann mir aber vorstellen, dass manch ein nicht so Handy affiner Mensch um Hilfe ruft, weil er mit der digitalen Bestellung nicht klarkommt. Diese Hilfe kommt dann wahrscheinlich nicht, es sei denn, Du bist mit mir unterwegs, dann regle ich das, wie immer. Aber der Norweger hat doch noch ein Einsehen und möchte schliesslich nicht, dass Du verhungerst, daher kannst Du zur Theke gehen und dort bestellen. Vorzugsweise auf Englisch, falls Dein Norwegisch eingerostet ist.
Ich studiere die Speisekarte und bin geschockt-verwirrt, was hier die Pizzen oder Burger kosten sollen. Links am Rand sehe ich eine 600, ein paar Pizzen weiter eine 607. Wie bitte? Das sind umgerechnet fast € 60,- !!!
Das haut selbst mich aus den Latschen, obwohl ich noch nicht einmal diesen Signature Drink hatte und genau weiß, wie teuer Norwegen ist.
Doch was soll‘s, ich muss ja was essen, zumindest einmal am Tag, also bestelle ich nun per QR-Code im Handy und träume gleichzeitig davon, dass ich zumindest für ein paar Stunden ein Restaurant gekauft habe. Mein Personal soll jetzt mal Gas geben, ich habe Hunger.
Der QR-Code führt mich allerdings zu einer Webseite, die die wahren Preise verrät, und plötzlich ist alles so billig. Alles eine Frage der Relation. Die 600er Nummern waren die Bestellnummern, wie blöd kann man sein!?
Man möge es mir jedoch verzeihen, denn wer fängt mit der Nummerierung seiner Speisen schon bei 600 an?
Die Pizza kostet tatsächlich nur € 25;-, ist also auf einmal gar nicht so schlimm. Da ist doch locker auch noch ein Glas Wasser für € 5,10 drin. Alles ist lecker, über das frische nordische Wasser jubeln meine Haut und meine Nieren, die Pizza hat wunderbare Zutaten und schmeckt sensationell.

Ich verzichte heute doch auf die Ice Bar und parke in meiner Schuhschachtel ein. So ungefähr muss es bei einer Reise mit Rotel sein, der Firma mit den legendären Schlafbussen.
Fenster öffnen ist nicht, was man tatsächlich von einigen Hotels kennt, aber ich komme ohnehin nicht um das Bett herum, um auch nur annähernd aus dem Fenster schauen zu können. Macht aber auch nichts, da es hier Fenster ohne Aussicht gibt, und ein Blick auf den Flur interessiert mich ohnehin nicht. Mein Traum, vielleicht nachts vom Fenster aus Polarlichter zu sehen, tss tss, ich würde eh nicht um 4 Uhr den Wecker stellen und durch meine schlaftrunkenen Augenschlitze irgend etwas erkennen.
Tatsächlich sind für diese Nacht Nordlichter angekündigt, aber halt ohne mich.
„God morgen“ sagt der Norweger. Und die Norwegerin übrigens auch.
Das soll‘s dann auch schon gewesen sein mit dem Gendern in diesem Blogpost.
Komm, das kriegst Du doch auch über die Lippen, es ist eine germanische Sprache, so wie Deutsch auch.“Frokost“ ist angesagt, und wenn Du wie die Norweger das „o“ wie „u“ aussprichst, dann ist es doch klar: Frühe Kost = Frühstück.
Das ist in der Tat auch im Quality Hotel sehr gut, doch ist meine Zeit begrenzt, denn ich muss los zur Fjordfahrt „Arctic Cruise“ mit einem Hybrid-Schiff.

Sehr futuristisch und recht komfortabel gleitet es leise über das Wasser. Viereinhalb Stunden entspanntes Staunen liegen vor mir, mit informativen Geschichten der beiden Guides, die einen tollen Job machen. Der Kapitän kommt aus Island. Ich vermute mal, er ist nach Norwegen eingewandert, weil es hier für ihn so preiswert ist 😉.
Zwei sehr grosse Bildschirme untermalen noch das, was uns erklärt wird. Auf einem kleinen Inselchen sitzt ein Weißschwanzadlerpaar, und ich bedaure wieder einmal, dass ich ein Fernglas vergessen habe. Auch die Eiderentengruppe, die sich dicht zu einem schwarz-weissen Teppich zusammengedrängt hat, wären mit Fernglas besser zu sehen gewesen.

Die Bergkulisse um mich herum sucht ihres Gleichen, man kann sich kaum sattsehen, auch wenn das Wetter heute ein wenig trübe daher kommt.
Robben dümpeln umher und spielen mit uns „Guck mal, hier bin ich, und wenn Du denkst, ich tauche ein paar Meter weiter wieder vor deiner Nase auf, dann bin ich schon längst auf der anderen Bootsseite“.
Es sind extrem flinke Kerlchen und halten die Augen auf Trab.
Eine Besonderheit ist ein riesiges Loch in einem Berg, das an der Wasseroberfläche beginnt. Eine U-Boot-Basis, wo diese unbemerkt einfahren und parken können. Diese Art Garage wird aber auch von einigen Yachtbesitzern genutzt, wenn man das nötige Kleingeld dafür hat. Also so geheim kann es dann doch nicht (mehr) sein.

Wir machen Halt in einem Fischerdorf, um Interessantes über Fischfang, Seeigel, Stockfischgestelle, den Atlantischen Seewolf und Meeresökologie zu hören. Auch hier besticht Reiseleiter Tobias mit enormem Wissen. Die Seeigel sind es, die den ganzen Algenwald wegfressen, und ihr einziger Feind wäre der Seewolf, der sie als Delikatesse gern wegfuttert, nur haben die Norweger diesen leider zu viel weggefischt, also können sich die Seeigel ausbreiten wie verrückt und den Algenwald roden.
Tobias erklärt die Vorzüge des Fischtrans, den wir auch probieren dürfen. Die Gesichter verziehen sich dabei unterschiedlich, aber meistens zu weniger begeistertem Ausdruck. Ich verzichte, denn ich musste als Kind schon das regelmäßige Vergnügen durchstehen.

An dieser Stelle bin ich mal wieder froh, als Vegetarierin meinen Umweltbeitrag beizusteuern, indem ich Kühe, Rentiere, Elche und Fische leben lasse und auch die Produkte ihrer Leber da lasse, wo sie hingehören.
Und zu Rentieren und Elchen komme ich im zweiten Teil meiner Winterreise.
Bleib also gern dran und schaue wieder rein.
In der Zwischenzeit hier einige Tipps für Dich, wenn Du eine solche Reise planst, wobei ich natürlich schwer davon ausgehe, Du kommst mit mir vom 26.-30.1.2027.
P R A K T I S C H E I N F O S
Flug ab Düsseldorf nonstop mit Eurowings, Flugzeit ca. 3 Stunden
Airport Express Bus in die Innenstadt 1-2x die Stunde, Fahrtdauer ca. 20 Minuten. Fahrpreis hin und rück NOK 200,- (ca. € 18,-). Per Kreditkarte beim Fahrer erhältlich.
Hotelempfehlung: Thon Hotel Tromsø mit modernen Zimmern und einem fantastischen Frühstück.
Arctic Fjord Cruise für NOK 1890,- bitte unbedingt vorab buchen, es gibt vor Ort kaum noch Verfügbarkeiten.
Dasselbe gilt für alle anderen Aktivitäten.
Restaurants vorbuchen halte ich für nicht nötig, denn es gibt genügend, und wenn man nicht gerade als Gruppe auftritt, sollte man spontan etwas finden.
Aurora APP herunterladen, um eine Vorschau auf die Nordlichteraktivitäten zu haben. Sehr gut auch der Wetterbericht auf der norwegischen Seite yr.no
Feste, wasserdichte Schuhe/Stiefel, Mütze, Schal, Handschuhe.
Nordic-Walking-Stöcke können hilfreich sein, Spikes zum Unterschnallen habe ich viel gesehen, man bekommt sie in den örtlichen Schuhgeschäften.
Wasservorrat oder Snacks für Zwischendurch oder die Nacht im „Extra 7-23“-Supermarkt oder bei "7-Eleven". Beide direkt im Zentrum leicht zu finden.
Mittag- oder Abendessen im Restaurant Egon oder Kleinigkeiten im Café Sånne, was mich von der Atmosphäre weniger angesprochen hat, aber der Salat war gut.
Für den Hot Dog zwischendurch empfehle ich den historischen Kiosk "Raketten Bar&Poelse" am Stortorget (Großer Marktplatz).





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