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Englische Kulturgüter: Shakespeare and Chips

Auf meinem Weg nach Upper Brailes in der Grafschaft Warwickshire habe ich mir Warwick angesehen, und der nächste Stopp ist in Stratford-upon-Avon geplant. Schon wieder ein "Avon", diesen Flüssenamen gibt es in England vielfach. Fünf Stück soll es geben, zuzüglich einiger kleiner Nebenflüsse. "Avon" ist das keltische Wort für "Fluss", also haben wir auch in Stratford einen Fluss Fluss. Nicht spannend? Nun, ich finde es interessant.



Stratford liegt im sogenannten "Shakespeare Country", denn der Meister der Dicht-, Tragödien- und Dramenkunst hat hier seine Fußabdrücke hinterlassen. In Stratford beginnt er sein Leben und haucht es auch hier aus. Zeit seines Lebens pendelt er zwischen Stratford und London hin und her, denn in London ist seine Spielstätte das Globe Theater, und in Stratford lebt seine Familie, zu der er was auch immer für eine gute oder mäßige Beziehung hat. Die einen sagen so, die anderen so. Affairen vermutet man, was ja für einen solchen Star nicht ungewöhnlich sein dürfte. Eine dark lady taucht in seinen Sonnetten auf, das scheint ein eindeutiges Indiz für eine Liebschaft zu sein. Die Diskussionen um ihn nehmen keine Ende, und gerade in diesem Jahr wurde von Forschern wieder einmal alles auf den Kopf gestellt. Doch keine Affairen? Doch ein guter Vater?

Mir gefällt jedenfalls die Geschichte, dass er seiner Frau Anne Hathaway nur sein zweitbestes Bett vermachte, und die Tatsache, dass das Ehebett damals grundsätzlich das zweitbeste Bett war und das für Gäste das beste, will ich gar nicht hören. Es lebe die Fantasie!



Shakespeares Geburtshaus liegt in der Henley Street und ist ein Fachwerkhaus im Tudor-Stil. Genau, in dieser Zeit lebte er und beglückte z.B. Königin Elizabeth I unter anderem mit Dramen rund um ihre royalen Vorgänger, wie Richard III, um den ich mich auch noch kümmern werde, wenn ich Leicester besuche.



Man zieht ja gern mal um, und so bewohnt Shakespeare später das Anwesen New Place, ebenfalls in der Stadt. Ich muss sagen, dass mir das Haus seiner Anne (Anne Hathaway´s cottage) außerhalb von Stratford wesentlich besser gefällt als die Stadthäuser. Wer ein Häuschen sehen möchte, das für den Reisenden der Inbegriff eines englischen Cottages ist, aus Fachwerk und mit Reet gedeckt, der ist hier richtig. Ebenso schön ist die Farm seiner Mutter, Mary Arden.

Doch meine Gedanken schweifen ab, während ich durch Stratford laufe. Ich habe Hunger, nachdem ich vor dem Hinflug nur ein Brötchen mit Käse hatte, und das ist schon 9 Stunden her. Ein Lokal mit irgendwas rund um Shakespeare im Namen reiht sich an das andere. Ich könnte bei Othello´s essen, im Restaurant des Barden, Bard´s Restaurant, bei Will´s Place usw. Ein dem möglicherweise weltbesten Dramatiker ebenbürtiges englisches Kulturgut kann aber in meinen Augen nur eines sein: Chips!!! Für mich seit geraumer Zeit ohne den immer im Schlepptau hängenden Fisch. Chips sind Pommes, als Info für diejenigen, die des Englischen weniger kundig sind.

Unsere Chips, das sind im Englischen Crisps. Nicht spannend? Aber wichtig zum Überleben, wobei ich mit beidem den Tag und meinen Magen füllen könnte.



Ich kehre ein im "Pommes-Schuppen", (The Chip Shed). Voll hier, also sollte es gut sein. Ist mir aber eigentlich auch egal, denn ein dringender Grund, sofort einzukehren ist auch noch die Suche nach einer Toilette.

Zu den Pommes bestelle ich mir eine Flasche Mineralwasser, denn ich muss ja die vielen Kalorien an anderer Stelle irgendwie wieder einsparen. Man bringt mir zwei Mini-Frittierkörbe voll mit den göttlichen goldgelben Kartoffelstangen, handgeschnitten, wie es in England (fast) üblich ist.

Und dazu Mayonnaise im Überfluss. Endlich mal eine Nation, die es verstanden hat, dass man mit einem 12 gr Mayonnaisetütchen nicht auskommt, es sei denn, die Schale Pommes hat nur 5 Stücke Inhalt.

Nun bin ich gestärkt für den Shakespeare-Marathon: Geburtshaus, Schule, Neues Wohnhaus, Grab. Ich wähle allerdings nicht diese Reihenfolge, sondern spaziere aufs Geratewohl durch die Stadt.



Ein Abstecher führt mich auch in einen Shop der Shakespeare Distillery, wo ich einen Mix aus Gin mit Limoncello verkoste. Thank you very much, das ist nichts für mich, aber die Flasche sieht toll aus.

Hier und da findet man Büsten von Shakespeare, eine Statue, sein Gesicht über dem Eingang einer Bank, in pink-lila als Werbefigur eines Geschäfts, sein Gesicht auf Geschirrtüchern. Dabei ist man sich gar nicht mal hundertprozentig sicher, wie er ausgesehen hat, denn es soll zu seinen Lebzeiten nur ein einziges Bild von ihm gemalt worden sein. Andere erst nach seinem Tod, und da wird es auch nochmal spannend, denn die weisen wiederum Unterschiede zu seiner Grabstatue auf. Es bleibt also geheimnisvoll.

Nach so viel Shakespeare sitze ich wieder im Auto und fahre zu meinem Ziel für die nächsten vier Nächte, nach Upper Brailes. Im Radio, es ist ja Weihnachtszeit, spielt BBC Radio 2 "Merry Christmas Everyone" von Shakespeare, oh, sorry, Shakin´Stevens.





 
 
 

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