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EINE SEEFAHRT, DIE IST LUSTIG

Ein Tag auf See ist ein Tag voller Möglichkeiten. Das Tagesprogramm von MSC Sinfonia ist vollgepackt mit Aktivitäten. 

Es gibt kaum etwas was man nicht machen kann. Aber erstmal frühstücken. 

Als Gast der Preiskategorie „Fantastica“ könnte ich mir Frühstück auf die Kabine bringen lassen. 

Das möchte ich eigentlich für jeden Morgen buchen, aber dann kommt natürlich nur kontinentales Frühstück. Reicht im Prinzip, aber Käse ist halt auch nicht dabei, und so hat sich das erledigt. 

Ab ins Buffetrestaurant. Große Tische versprechen, dass man auf andere Gäste trifft. Das ist im Urlaub eigentlich nicht mein Interesse, aber zumindest besteht die Chance, Sprachkenntnisse aufzupolieren, da man schließlich nicht stumm vor seinem Joghurt sitzt. Oh, pardon, ich meine natürlich Käsebrot, denn dafür habe ich mich ja extra für das Restaurant statt Kabine entschieden. 

In der Tat haben wir eine internationale Frühstücksgesellschaft mit uns vier Deutschen, zwei Franzosen aus Strasbourg und zwei Engländern aus Wembley. Letztere scherzen schon sofort, dass die  Einwohner Wembleys die „Wombles“ genannt werden. Damit verbinde ich ein ziemlich fälliges Tier, und in der Tat klärt mich der Gentleman auf, dass es wohl genau das auch bedeutet. Ich sehe ihn mir daraufhin noch einmal ganz genau an, kann aber außer einem Bart nicht mehr Fell entdecken. Wie er unter seinen Klamotten aussieht, das mag ich natürlich auch nicht fragen und will es eigentlich auch nicht wissen. 

 

Zum Frühstück bietet MSC zwei Varianten an: Buffet oben auf Deck 11 oder Buffet inklusive Bedienung im Restaurant Il Galeone. 

Das Buffetrestaurant ist für mich schon beim ersten Besuch, der nur der Besichtigung gilt, gestorben. 

Genauso war es seinerzeit auf der Queen Victoria - eine Kantine mit etwas lieblos angerichteten Schalen. Viel, ja, und bestimmt auch lecker, aber die Präsentation macht nicht wirklich Lust aufs Zugreifen. Da nützt auch das charmanteste Lächeln des Personals nichts. 

Doch glücklicherweise hat man ja die Wahl. 

Im auch recht großen Il Galeone kann man sich am Buffet anstellen, aber der Kellner bringt einem auch alles. Das ist für mich einfach entspannter, zumal mein French Toast sogar noch schöner dekoriert bei mir ankommt als wenn ich es selbst aufgeschaufelt hätte.

Kaffee wird gebracht, und zwar Tasse für Tasse. Da kommt, ohne dass ich es wirklich will, auch in mir das typisch Deutsche hervor, denn ich organisiere gedanklich die Optimierung der Restaurantabläufe neu und möchte den Kellner am liebsten fragen, warum er nicht einfach Kannen auf den Tisch stellt. 

Ich verkneife mir selbstverständlich diesen oberschlauen Kommentar.  Das ist halt seine Anweisung. Basta!

Es ist allerdings ein komisches Gefühl, ihn alle 5 Minuten für Kaffee springen zu lassen, denn auch mein Mann tankt Kaffee am Morgen im Schnelldurchlauf. 

 

Für den Seetag habe ich mir eine Massage gebucht. Ich finde sie zunächst sündhaft teuer, aber buche gleich noch eine, nachdem ich festgestellt habe, dass die Fachfrau das wirklich hervorragend macht und die gebuchte Stunde auch locker nochmal um 15 Minuten überzieht.

So eine wirkungsvolle Anwendung hatte ich lange nicht. Diese zierliche Philippinin ist nicht zimperlich und quält auch meine Füße, dass ich sicher bin, morgen nicht mehr laufen zu können. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ich laufe wie geölt. 

Für 16 Uhr verspricht mir mein Mann, am Tanzkurs für Foxtrott teilzunehmen, aber weil sein Freund das leider seiner Frau nicht versprochen hat, fällt es auch für mich aus. Die beiden gehen lieber zum Whisky-Tasting. 

Ich könnte im Fitnesscenter aufs Laufband, was ich mir ebenso vorgenommen hatte, mache es aber nicht. 

Ich könnte mich an Deck legen, um wenigstens noch ein bisschen von der  Kalkeimer-Optik wegzusonnen. Schließlich kündigen sich die griechischen Inseln mit 23 Grad und stahlblauem Himmel an. Ich mache aber auch das nicht. 

Ich könnte mal das ganze Schiff ablaufen, um die Orientierung zu bekommen. Du meine Güte, ist die lang, diese Sinfonia, aber klar, Sinfonien bestehen quasi auch aus mehreren Gängen. Die gibt es hier an Bord auch zur Genüge. Noch dazu sind sie mit Komponistennamen versehen, auf dass man sich leichter zurecht findet. Ich wäre lieber auf Deck 8 untergebracht, denn Bach gefällt mir deutlich besser als Tschaikowsky.

Nachdem ich ich allerdings sehe, dass es hier nur "olle", merkwürdige Kabinen gibt, steigt meine Zufriedenheit mit Tschaikowsky.

Demjenigen, der des Englischen unkundig ist, sei allerdings hier aufklärend verraten, dass mit "ODD" neben „merkwürdig“  auch noch „ungerade“ gemeint ist. 

 

Im Endeffekt mache ich einfach gar nichts, außer hier und da mal abzuhängen. Natürlich bin ich jeden Tag an Land, klar, denn ich bin  ja ein Besichtigungs-Junkie. Aber an Bord geht das reichhaltige Unterhaltungsprogramm einfach an mir vorbei. Für alle Kreuzfahrer, die sich aber gern unterhalten lassen, sei hier angemerkt, daß MSC mit enorm viel Abwechslung auftrumpft. Und auch der Fremdsprachenunkundige braucht sich nicht zu sorgen, denn man versteht alles, und wichtige Dinge werden auch auf Deutsch vermittelt.

Gut, da hatte ich mal die Kundin, die meinte, die deutschen Durchsagen kämen aber immer erst an dritter Stelle nach Italienisch und Englisch, aber wenn man sonst keine Sorgen hat, dann geht’s doch.

 

Die Kellner in den Restaurants sprechen irgendwie alles, da gibt es überhaupt keine Probleme. Wenn ich überlege, daß AIDA und TUIcruises mit dem Argument „Bordsprache Deutsch“ werben, dann hört das aber bei den überwiegend philippinischen Kellnern auch schon auf, bzw. begrenzt sich.

Hier ist das MSC-Personal einfach international versierter aufgestellt.

„Unser“ Anwari aus Indonesien, der uns jeden Abend im tollen Restaurant „Il Covo“ überaus zuvorkommend bedient, kann sich ganz gut auf Deutsch und Englisch mit uns verständigen.

Ich kann nur jedem empfehlen, das Preismodell Fantastica zu buchen, bei dem man sich die Essenszeit und das Lokal aussuchen kann. Um 18:30 h sind wir jeden Abend wie der gute deutsche Tourist zu früher Abendbrotzeit dort. Anwari strahlt uns an und ist hoch motiviert, uns möglichst viele Gänge, und wenn es sein soll, die ganze Speisekarte rauf und runter zu servieren.

Das ist nämlich durchaus möglich. Man darf hier alles probieren was auf der Karte ist - was allerdings eher nicht zu schaffen ist. Das ist sogar eine viel größere Auswahl als auf dem Buffet, und es wird einem alles an den Tisch gebracht. Das ist die beste Essensvariante, die ich je auf einem Schiff erlebt habe. Anwari bewirbt jede Auswahl mit „sehr gut“, aber in der Tat ist auch nicht eine Speise dabei, die nicht schmeckt. Alles, aber auch alles ist überaus lecker und schön angerichtet.

Leute, vergesst das Buffet, das ist hier nicht so toll. Auf ins Bedienrestaurant - es kostet doch gar nichts extra, und man sitzt in aller Ruhe ohne einen Menschenandrang.

 

Zweimal während der Reise lautet das Kleidungsmotto „elegant“, und wahrscheinlich bekommt der eine oder die andere jetzt Angst, weil man doch eine legere Kreuzfahrt bevorzugt. Das von den Frauen erwünschte Cocktailkleid habe ich natürlich nicht und erscheine in einem Sommerkleid für € 24,- von Textil Hackert aus Hörde, aufgepeppt mit einem dünnen schwarzen Long-Blazer, und schon passt das. Von den Männern erwartet man einen Anzug, aber auch die Edeljeans und Jacket werden lässig durchgewunken.

Also, tut doch gar nicht weh und ist auch mal ganz schön, vor allem, wenn man zu Hause eher nicht diese Gelegenheiten hat.

 

Und nun warte ich auf das Ende der Kreuzfahrt, oder richtigerweise muss es heißen, ich versuche, diese letzten Tage noch ausgiebig zu genießen, indem ich auch wieder nichts vom Bordangebot wahrnehme, außer Frühstück und Abendessen. Ancona wartet noch darauf, von mir besichtigt zu werden, und zwar auch wieder ohne gebuchten Ausflug. An Venedig werden wir dann vorbeischrappen und nach Triest ausweichen wegen des berüchtigten Aqua Alta, das in diesem November wirklich einen lange nicht da gewesenen Höchststand von bis zu 160 m hat.

Da wäre das Anlegen zu risikoreich, und wir wollen ja nicht gleich mit unserem Ozeanriesen direkt am Bahngleis landen. Obwohl die Vorstellung eine gewisse Verlockung hat, will ich jetzt nicht gemein werden, denn Venedig trifft es immer wieder hart, und die Menschen sind zu bedauern. 


Immerhin war ich in Triest noch nie, und es wäre doch gelacht, wenn der Reiseprofi nicht auch von dort aus nach Hause käme. Da habe ich für meine Kunden schon weitaus Schwierigeres organisiert.

Aber bis dahin ist die Seefahrt noch lustig, bequem, und vor allem lecker.


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