FÜRST ALBERT, PRINZ EDWARD UND ICH: MILITARY TATTOO

Endlich, endlich, endlich! Ich habe Karten für das Military Tattoo in Edinburgh!

Dieses Mal werde ich sie nicht abgeben wie schon einige Male zuvor, denn bei jeder Gruppenreise nach Schottland, bei der dieses Spektakel auf dem Programm stand, hatte ich immer kurzfristig noch ein paar Anmeldungen und gab meine letzten beiden Karten an Kunden. Geschäft ist Geschäft, da muß Privates hinten anstehen. Und wenn ich alle dann habe schwärmen hören als ich sie dort oben vom Burgberg wieder abgeholt habe, dann habe ich es immer ein wenig bereut.

Aber jetzt kriegt sie niemand, die zwei Karten für 'Section 5, T 1 und 2'.

Eigentlich wollte ich mal so richtig zupacken, was die Sitzkategorie anbetrifft und war bereit, ein für meine Begriffe kleines Vermögen für zwei der besten Plätze, vor allem im überdachten Sektor mit vollem Panoramablick auszugeben. Ich wollte sogar ein komplettes Arrangement buchen, mit Abendessen, Whisky-Tasting und einem Schotten im Kilt als persönlichen Begleiter zum Burgeingang.

Doch in Nullkommanix waren die eben noch mit 30 bezifferten Karten ausgebucht. Zwischen meiner Entscheidungsfindung und dem Buchungsklick, was nicht sehr lange gedauert hat, sollten auf einmal alle Plätze für das Dinner ausverkauft sein.

Mittlerweile weiß ich auch, warum.

Fürst Albert von Monaco hat sie mir weggeschnappt 😬. Und Prinz Edward samt Familie.

Zumindest Edward, Graf von Wessex, hatte sich wohl recht kurzfristig entschlossen, das royale Traditionsspektakel mit seiner Anwesenheit zu schmücken, so entnahm ich es der Zeitung am nächsten Morgen.

Erst überrascht er einen Darsteller im Rahmen des "Edinburgh Fringe Festival" mit einem Auftritt als Freiwilliger in dessen Standup-Show, weil sich auf Nachfrage des Künstlers niemand zur Verfügung stellen wollte, und dann schnappt er noch vier Plätze in der guten Sitzkategorie beim Military Tattoo weg.

Ich muß nachsichtig sein, schließlich stehen ihm ja einige Wochen Urlaub mit Muttern auf Schloß Balmoral bevor.

Fürst Albert hingegen hatte sehr wahrscheinlich seine Einladung viel früher, war doch sein Militärorchester für einen Auftritt geladen. Selbstverständlich bucht so ein Fürst gleich eine Riesenanzahl Plätze für Freunde und Bodyguards. Das war's dann mit dem Panoramablick.

Aber auch unser Abschnitt 5 ist absolut empfehlenswert.

Es wird in mehreren Episoden die Geschichte Großbritanniens erzählt, mit Schwerpunkt Schottland selbstverständlich. Von den Wikingereinfällen, über Jakobiteraufstände, Schlacht von Culloden, die "auld alliance" mit dem befreundeten Frankreich (dorthin hat man aus Schottland schon immer gern Königstöchter zur Erziehung geschickt und Königssöhne zum Asyl suchen) bis zum gemeinsamen britischen Militär und dem Empire. Zu Gast ist dabei ein fantastisch farbenfrohes Ensemble aus Indien.

Zu Beginn begrüßt der, ich nenne ihn einfach mal "Stadionsprecher", alle Zuschauer und fragt ab, aus welchen Ländern sie kommen. Riesen-Applaus-Getöse bei Amerikanern, Kanadiern, Deutschen und Österreichern. Franzosen ein bisschen weniger, Schweizer auch, ein paar Inder und natürlich immens viele Schotten.

Und dann fragt er tatsächlich, ob Leute aus Monaco anwesend sind. Ich finde das witzig, denn es wäre doch ein Zufall, wenn aus dem minikleinen Ländle gerade auch noch die Hälfte hier in der Burgesplanade weilt. Es klatscht keiner, also keiner aus Monaco da.

Doch weit gefehlt. Es wird höchst offiziell "His Serene Highness" begrüßt, ich kriege es gerade noch so mit, während ich mich noch frage, warum wir alle aufstehen und die monegassische Hymne hören sollen.

Fürst Albert unterstützt mit viel Salutieren und Applaus sein kleines Orchester.

Da sitzt er also, mit Prinz Edward an seiner Seite, in meinem Wunschabschnitt, und genießt das Spektakel.

Und während wir am Ende der Show im Gewühl ein Taxi suchen, das uns zu unserem Campingplatz raus fährt, schlummert der Monegassenprinz wahrscheinlich schon in seiner Suite im Nobelhotel "Balmoral" an der "Princes Street". Gute Nacht Schottland.

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