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KLEINES SEGEL - GANZ GROSS

Piccola Vela - das ist Italienisch und bedeutet "Kleines Segel".Im Hotel Piccola Vela in Desenzano am Gardasee hatte ich erstmals für unsere Saisonauftakttour 2019 Zimmer eingebucht. 

Nun fahren wir bald zum dritten Male hin, aber die ersten Eindrücke von vor 4 Jahren sind immer wieder eine Erinnerung wert.



Bislang ist meine erfolgreichster Klassiker bei den Busreisen der Lago Maggiore, und er hat die Messlatte mit dem Hotel Cannero außerordentlich hoch gelegt. Da darf man wohl als Reiseveranstalter ein bisschen gespannt sein, wie es denn in Desenzano am Gardasee aussieht. Dem Gardasee traue ich einiges zu, den kenne ich seit Jahren und weiß, es gibt so wundervolle Orte dort, die ein Garant für eine erfolgreiche Tour sind. Aber das Hotel ist auch nicht unwichtig, und so steigt die Spannung. Der Emailkontakt mit dem Reservierungsleiter war schonmal gut. All meine Fragen werden ruck zuck beantwortet, und es scheint, als hätte ich hier wieder einen Treffer gelandet. So bestätigt es sich auch vor Ort.

 

Ein ganz herzliches Willkommen wird uns bereitet, denn es gibt schon mal einen Begrüßungstrunk, und unsere Koffer werden auch auf die Zimmer befördert, was nicht schlecht ist, da Aufzüge in alten Villen meist gerade einmal 2 Personen mit ihren  Handtaschen befördern. So können wir unseren Cocktail genießen, während unsere Koffer unauffällig ihr Domizil für die nächsten fünf Nächte erreichen und sehnsüchtig aufs Auspacken warten.



Da können sie aber lange warten! Es ist nämlich sehr schönes Wetter. Saft, Pizzette (Mini-Pizzen) und Gebäck munden nämlich ganz hervorragend auf der Terrasse. Wir sind angekommen, es geht uns gut. Ein erster Bummel durch den Ort, der um die Ecke liegt? Ach nö, es ist ganz schön schön im Hotelgarten. Desenzano kann warten. Morgen ist auch noch ein Tag. Ich erfahre, dass es sich beim "Kleinen Segel" um eine einhundertjährige Villa handelt und kann es kaum glauben, denn sie sieht einfach so aus wie jedes italienische Hotel, das in den 1960er Jahren entstanden ist. Der Eindruck trügt allerdings, denn es wurde rings um die alte Villa angebaut, so dass man ohne historische Fotos nicht mehr erkennen kann, wo sich das alte Gemäuer versteckt. Der Hotelier Marco stattet mich am Ende der Reise mit zwei Büchern aus und erwartet sicherlich, dass ich die durchackere und mich weiterbilde. Ich gebe zu, das muß ich noch nachholen. Meine Gäste fühlen sich mehr als wohl und sind begeistert. Sogar die Raucher kommen auf ihre Kosten, denn sie haben einen Balkon. Desenzano ist nur einen 10-minütigen Fußweg entfernt, das finden die Gäste schnell heraus, die sich übereifrig nach dem Abendessen noch einmal an die Luft wagen. Es gibt doch immer jemanden, der den Schnitt kaputt macht und schon als allererster den Ort erkunden muß und dann Fotos in die WhatsApp-Gruppe stellt, wie schön der Hafen im Abendlicht aussieht. Hat sich derjenige einmal Gedanken darüber gemacht, dass er für die anderen den Ort entjungfert? Aber dafür lassen wir, die Faulen, jede einzelne Kalorie des Abendessens sich in unserem Körper austoben. In der Ruhe liegt die Kraft - in der Bewegungslosigkeit liegt der hart erkämpfte Bauchspeck.

Abendessen! Es ist hervorragend. Kellner Nino ist überaus herzlich mit den Gästen. Aber auch seine Kollegen sind perfekt. Schon am ersten Abend gilt es als beschlossen, dass wir, wie üblich bei längerem Aufenthalt, Trinkgeld für den Service sammeln, das ich dann am Ende mit ein paar netten Worten überreichen darf. Am Lago Maggiore habe ich das mal auf Italienisch gemacht und mir vorher ein paar schöne Sätze zurecht gelegt, aber das will ich nicht nochmal machen, denn es genügt, wenn ich meine Sprachkenntnisse auf Eis bestellen und hoffentlich nicht "meine Tasche wurde geklaut" beschränke.

 

Zum Abendessen gibt es einen Gruß aus der Küche, dann eine Vorspeise. Vor dem Hauptgang können wir noch das Gemüse- und Saltabuffet plündern. Dann sind wir satt. Tja, zu dumm aber auch, dass jetzt noch die Hauptspeise kommt. Wir werden daran erinnert, dass die italienische Vorspeise, meist Pasta oder Risotto, so reichhaltig ist, dass es für die deutschen Essgewohneheiten schon als komplette Hauptpeise durchgeht. Zumal man natürlich bei dem Angebot, die Vorspeise unter Parmesankäse zu versenken, nicht nein sagen kann und dadurch noch mehr gesättigt ist.



Mein Mann, der lustigste Ehemann von allen, hat sich in den Kopf gesetzt, diese Woche mit mir vegetarisch zu essen. Schafft er sowieso nicht... Oh, schafft er doch, muß ich am Ende der Woche neidlos anerkennen. Es ist aber auch sehr einfach beim köstlichen Angebot der Speisen, die der Küchenchef des Piccola Vela auffährt. Ich nehme keine Nachspeise. Das ist Gesetz für mich auf meinen Reisen, denn sonst platze ich irgendwann aus allen Nähten.

Ich korrigiere: Ich nehme keine Nachspeise, außer im Hotel Piccola Vela. Herrgott nochmal, ist doch egal! Man kann darauf nicht verzichten. Genauso wenig wie auf den Mozzarella zum Frühstück und die schön in mundgerechte Stückchen geschnittene Mango.Nachdem meinem Mann, dem nettesten Ehemann von allen, ganz unproblematisch eine Verlängerungsschnur bereitgestellt wird, damit er seinen Bus für die Gäste frisch staubsaugen kann, nachdem es an der Bar auch den von meinen Gästen so geliebten Kräuterlikör "Montenegro" gibt und die Barkeeper schon wissen, dass ich meinen Espresso gern mit etwas Milch trinke, habe ich alle fest ins Herz geschlossen und den festen Willen, noch einmal wiederzukommen. Und damit ich von diesem Entschluss auch nicht abweiche, organisiert Hotelchef Marco für uns zum Abschied am letzten Abend auf dem Dach einen Abschieds-Umtrunk.



Erst jetzt stelle ich fest, dass fast alle meiner Gäste noch nicht bemerkt haben, dass auf Etage 4 ein Whirlpool und Liegen stehen, von wo aus man einen herrlichen Blick über den Gardasee hat. Eigentlich sollte es ein Geheimnis bleiben, aber nach dem Abendessen unter dem Sternenhimmel im warmen Blubberwasser zu hocken, das kann ich euch versichern, ist traumhaft.

Wir genießen den letzten Abend bei Prosecco mit oder ohne O-Saft, Parmesankäsestückchen und Snacks. Überflüssig zu erwähnen, dass wir unser übliches 4-Gang-Menü noch vor uns haben. Man lässt sich hier wirklich nicht lumpen, um die Gäste abhängig zu machen. Das ist geglückt - wir sind infiziert. Die nächste Tour ist bereits in Planung. Es gibt auch wahrlich viel zu sehen am Gardasee, und was wir bereits angeguckt haben, dazu komme ich in einem anderen Post.

Jetzt muß ich mich dem Prosecco und Ausblick widmen - mi dispiace!


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